Welt : Schaltjahr ist Kaltjahr

Andreas Oswald

Regen bringt auch etwas Gutes mit sich. Die Natur braucht dringend Wasser, noch lange nicht sind die Rückstände vom letzten Jahr aufgeholt, das eine große Trockenheit mit sich brachte. Vom letzten Sommer verwöhnt, sind nun viele enttäuscht von dem, was das Wetter dieses Jahr bietet.

„Dieser Sommer wird wechselhaft bleiben.“ Das sagt Tanja Lamprecht von Meteomedia und die anderen Meteorologen stimmen ihr zu. Geht man nach der modifizierten Siebenschläferregel und nimmt den 7. Juli zum Ausgangspunkt, müsste es eigentlich schöner werden. Am 7. Juli war es in Ostdeutschland traumhaft. „Aber es kommt nicht auf den einen Tag an, eher auf die ersten Tage des Julis zusammen“, sagt Lamprecht. Und die waren so, wie auch der Rest des Sommers überwiegend sein wird: Immer wieder zeigt sich die Sonne, und immer wieder kommt es zu kräftigen Schauern. Gelegentlich ist auch ein durchgehend wunderschöner Tag dabei. Wie zum Beispiel letzten Sonntag.

Letztes Jahr haben viele Leute über die Hitze gestöhnt und geklagt. Vielleicht hat jemand diese Menschen erhört. In diesem Sommer wird es wohl kaum Hitzetote geben, jedenfalls nicht in Deutschland.

Ganz anders sieht es in Südeuropa aus. In Griechenland bricht das Chaos aus, in Italien leiden viele Menschen unter einer qualvollen Hitze. Einzig die Urlauber am Strand freuen sich.

Aber auch hier gibt es Hoffnung. In den kommenden Tagen soll es zunehmend wärmer werden, am Sonntag werden in Berlin 27, in Süddeutschland 30 Grad erwartet. Der Grund ist ausgerechnet ein neues Tief, das sich vom Atlantik nähert. Bevor es neuen Regen zu uns bringt, lässt es Warmluft aus der Mittelmeerregion zu uns und schiebt diese warme Luftmasse vor sich her. Wenn es dann selbst auf unserer Höhe ist, wird es ziemlich ungemütlich. Aber vorher können wir den Sommer noch einmal genießen. Spätestens am Freitag wird es wieder sommerlich. Das Einzige, worauf sich jeder einrichten sollte, der am Wochenende mit dem Picknickkorb rausfährt: Es kann jederzeit ein frischer Guss kommen, der Rasen ist im Zweifelsfall feucht.

Wer unter Pollenallergien leidet, hat es derzeit gut. Der Regen wäscht die Luft rein. Dabei geben die Pflanzen in diesem Jahr besonders viel Blütenstaub ab, vor allem die Birken bilden einen „starken Jahrgang“. Diejenigen, die sich derzeit schneuzen, sind dagegen richtig erkältet. Allerorten schnieft es, bleiben Leute krank im Bett. So ist das eben, wenn der Herbst etwas früher kommt.

„Schaltjahr ist Kaltjahr“, heißt ein Berliner Sprichwort. Die Meteorologen halten davon nichts, es gibt dafür keinen statistischen Beleg. Diesmal trifft es allerdings zu.

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