Welt : Scharfe Kritik aus Deutschland an Lücken in der Vorbereitung

Der zweite Verlust einer Marssonde in diesem Jahr hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa in Erklärungsnöte gebracht. "Wir werden von dieser Mission lernen müssen", sagte Marsprogramm-Chef Chris Jones, nachdem das verschollene Raumschiff Polar Lander in der Nacht zum Dienstag verloren gegeben worden war. Den Ingenieuren im kalifornischen Pasadena gelang es auch im siebenten Anlauf nicht, Kontakt zu der Sonde herzustellen, die vergangene Woche zur Landung auf dem Roten Planeten angesetzt hatte.

Bei ihrem Rettungsversuch spielten die US-Raumfahrtexperten in der Nacht zum Dienstag nach eigenen Worten ihr letztes Ass: Sie versuchten vergeblich, Polar Lander von der Sonde Global Surveyor aus anzufunken, die den Mars seit 1997 umkreist. In den kommenden zwei Wochen wollten sie weitere Kommunikationsanläufe unternehmen, obwohl sie praktisch keine Hoffnung mehr haben, dass diese zum Erfolg führen könnten. Auch von den beiden Minisonden, die sich vor der Landung hätten abkoppeln sollen, kam kein Signal. Die Mission, zu der das Max-Planck-Institut für Aeronomie zwei Kameras beigesteuert hatte, kostete 165 Millionen Dollar.

Aus Sicht von Rob Manning, der 1997 die erfolgreiche Landung der Pathfinder-Sonde leitete, bestehen die Bodenteams der heutigen Marsmissionen aus zu vielen Einzelkämpfern, die nicht als Team denken. Fehlende Zusammenarbeit und mangelnde Kommunikation seien schon für den Verlust des Climate Orbiter verantwortlich gewesen, bei dem ein Wissenschaftler angloamerikanische und metrische Maße verwechselt hatte und anderen Wissenschaftlern dies nicht auffiel.

Bei der unter Druck geratenen Nasa gibt es nach Expertenmeinung gravierende Lücken im Management. "Es fehlen auf vielen Ebenen die nötigen Kontrollmechanismen", sagte Professor Kristian Schlegel vom Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau.

"Es gibt bisher keinerlei Hinweise, dass der Fehler bei der Nasa liegt. Es könnte sein, dass ein Subsystem einer Fremdfirma versagt hat", sagte er. Verschiedene für eine "sanfte Landung" wichtige Raketen- und Steuerungssysteme seien "nicht ausreichend" getestet worden. Der Experte vermutete, dass der "Polar Lander" beim Aufsetzen auf den Roten Planeten zu stark beschädigt worden ist.

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