Schatten über Weltjugendtag : Gläubige gedenken des toten Frère Roger

Der Weltjugendtag geht weiter. Auch wenn die Feiern durch die Ermordung von Bruder Roger, des Gründers der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, überschattet werden.

Köln (17.08.2005, 16:41 Uhr) - Deutschland und der Weltjugendtag in Köln erwarten Papst Benedikt XVI. zu einem historischen Besuch: Joseph Ratzinger (78), das erste deutsche Kirchenoberhaupt seit rund 500 Jahren, wird am Donnerstag um 12.00 Uhr auf dem Köln-Bonner Flughafen landen. Es ist die erste Auslandsreise Benedikts XVI. seit seiner Wahl im April. In Köln gilt die höchste Sicherheitsstufe während des viertägigen Pontifex-Besuchs.

Am Mittwoch herrschte unter den mehr als 400.000 Jugendlichen aus aller Welt in Köln gespannte Vorfreude, aber auch Trauer. Der gewaltsame Tod von Frère Roger, dem charismatischen Gründer der ökumenischen Gemeinschaft im französischen Taizé, überschattete das Treffen. In Gottesdiensten wurde für den am Vorabend in Taizé bei einer Messerattacke getöteten 90-Jährigen gebetet. Religiöse Veranstaltungen wie die Domwallfahrt und Katechesen bestimmten das Weltjugendtags-Programm.

Die Sicherheitsbehörden überprüften vor dem Papstbesuch noch einmal ihre Maßnahmen und waren zuversichtlich. «Es kann losgehen», sagte ein Polizeisprecher. «Die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen sind in den vergangenen Wochen gelaufen. Der Rhein wurde mehrere Male abgesucht, die Poller Wiesen von gefährlicher Weltkriegsmunition befreit.»

Erster Höhepunkt ist am Nachmittag eine Fahrt des Papstes auf einem Rheinschiff und eine Ansprache vom Boot aus auf Höhe der Poller Rheinwiesen. Hunde schnüffelten das Boot noch einmal auf Sprengstoff ab. Am frühen Donnerstagabend wird der Papst den Kölner Dom besuchen. Dabei ist ein Grußwort auf dem ebenfalls von Spürhunden überprüften Roncalli-Platz vor der Kathedrale vorgesehen, ehe der Papst mit dem Papamobil zum Erzbischöflichen Palais fährt. Voraussichtlich mehrere hunderttausend Menschen werden das Rheinufer und die Straßen der Innenstadt säumen. In dem Palais wird Benedikt XVI. wohnen.

Wie der Papst zeigte sich auch der Weltjugendtag erschüttert vom Tod Frère Rogers. Der gewaltsame Tod des protestantischen Gründers der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé sei eine «schauerliche Nachricht», sagte Ratzinger in Rom. Bruder Roger habe ihm kürzlich erst geschrieben, er sei im Geiste ganz beim katholischen Weltjugendtreffen in Köln.

Der deutsche Jugendbischof Franz-Josef Bode würdigte in der Domstadt den von einer offenbar geistig verwirrten Frau getöteten Geistlichen: «Er war neben Papst Johannes Paul II. eine ganz bedeutende glaubwürdige Autorität für junge Menschen, ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen und den Generationen.» Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sprach von einer «unbegreiflichen Tat». «Ich bin gewiss, dass der Weltjugendtag 2005 in Köln in allen Gottesdiensten für unseren großen Freund und Pionier einer geistlichen Ökumene beten wird.»

In der Nacht zum Mittwoch bis in die frühen Morgenstunden beteten jugendliche Christen in der Krypta der St. Agnes-Kirche in Köln, dem geistlichen Zentrum der Taizé-Gemeinde während des Weltjugendtags. Gerade junge Gläubige sahen in Frère Roger ein Vorbild. Trotz des Schocks habe sich aber nicht Mut- oder Hoffnungslosigkeit breitgemacht, berichtete Kaplan Dominik Meiering. Die ganze Nacht über seien Taizé-Lieder gesungen worden, «gerade so wie Bruder Roger es sich gewünscht hätte». Der Kölner Kardinal Joachim Meisner trug sich in das in der Kirche ausliegende Kondolenzbuch ein.

In mehr als 100 Katechesen erläuterten Bischöfe am Mittwoch den Pilgern des Weltjugendtags den katholischen Glauben. In Kirchen, Konzertsälen und Messehallen kamen junge Gläubige in Köln, Bonn, Düsseldorf und Umgebung zu den Unterweisungen in vielen Sprachen zusammen. Bis Freitag nehmen alle Pilger aus 197 Ländern an einer solchen Katechese teil. Zugleich bildete sich in Köln eine kilometerlange Schlange bei der Wallfahrt der Pilger zum Dreikönigsschrein im Dom.

Bundespräsident Horst Köhler besuchte in Bonn das «Global Village» der katholischen Landjugendbewegung. Er wurde von den Jugendlichen mit Beifall begrüßt und musste immer wieder Autogramme schreiben. Das Staatsoberhaupt lobte das große Engagement der Jugendlichen für eine gerechtere Welt. Er rief sie auf, sich aktiv in die Politik einzumischen. (tso)

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