Welt : Scheck auf amerikanisch: Nur gegen Fingerabdruck

Immer mehr Banken wollen sich vor Betrügern schützen WASHINGTON(dpa)."Und jetzt noch Ihren Fingerabdruck, bitte!" Die Aufforderung gilt nicht einem Tatverdächtigen im Polizeirevier, sondern dem Kunden einer Bank, der einen Scheck einlösen möchte.Und nicht in einer abgelegenen Region dieser Erde, sondern in Washington, der Hauptstadt der Wirtschaftsmacht USA.Immer mehr Banken gehen dort dazu über, sich mit der Abnahme eines Daumenabdrucks vor Scheckbetrügern zu schützen.Denn nach Angaben der Amerikanischen Bankenvereinigung verlieren die Geldinstitute jährlich mehr als eine Milliarde Mark durch gefälschte Schecks, zehnmal mehr als durch Banküberfälle. Wie die "Washington Post" berichtet, wird das Fingerabdrucksystem inzwischen von Banken in 17 Staaten angewendet, und zahlreiche planen die Einführung.Die "First Union" hat ihre Verluste durch Scheckbetrug mit Hilfe der in ihren Filialen in Florida, Georgia und South Carolina erprobten Daumenabdrücke um 40 Prozent reduziert.Die texanische Bankenvereinigung berichtet sogar von einer Erfolgsquote von 60 Prozent. Fingerabdrücke werden immer dann verlangt, wenn ein Kunde den Scheck einer anderen Bank vorlegt und kein eigenes Konto bei dem Institut hat.Dies komme in einer durchschnittlichen Geschäftsstelle zehn- bis fünfzehnmal am Tag vor, sagt David Scanzoni, Sprecher der "First Union".In den USA, in denen die in Deutschland üblichen Daueraufträge und Einzugsermächtigungen weitgehend unbekannt sind, spielen Schecks im täglichen Zahlungsverkehr eine große Rolle.Ein ideales Umfeld für Betrüger, denen moderne Kopiertechniken das Fälschen von Schecks sehr einfach machen. Deutschen Banken ist das Verfahren mit den Fingerabdrücken technisch zu aufwendig.Und so begeistert die Fahnder in amerikanischen Banken auch sind, so empört sind die Verbraucher."Es ist eine Erniedrigung, nur für die Einlösung eines Schecks Daumenabdrücke abgeben zu müssen", sagte der Bürgerrechtssprecher Evan Hendricks der "Washington Post".Die Banken versichern, daß nur verdächtige Schecks mit Fingerabdruck an die Polizei weitergeleitet werden und daß sie keine Abdruck-Dateien führen.Auch werde eine leicht vom Daumen entfernbare Druckflüssigkeit verwendet.Ausnahmen gibt es bei der "First Union" nicht - "es sei denn, jemand hat keine Finger mehr", stellt Scanzoni trocken fest.

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