Scheidungsgeschäft : Party statt Trauer

Scheiden tut weh, sagt der Volksmund. Und Scheidungen sind meist noch schmerzhafter. In den USA gibt es gegen den Trennungsschmerz ein wirksames Mittel - Scheidungspartys.

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Das Geschäft mit Scheidungen blüht: Messerhalter in Form eines Ex-Mannes. -Foto: dpa

WashingtonAn der These, alles Verrücke kommt aus den USA, ist durchaus etwas dran. Jüngstes Beispiel ist die Tatsache, dass immer mehr Amerikaner die Trennung von ihrem Ehepartner fröhlich zelebrieren. So können sie angeblich die Scheidung besser verarbeiten.

Im Club "Christophers's" in Fort Lauderdale (US-Bundesstaat Florida) feierten und tanzten kürzlich rund 400 frisch Geschiedene ausgelassen bis in die Morgenstunden. Sie labten sich an Cocktails namens "Marriage on the Rocks" (Heirat auf Eis). Demonstrativ wanderte das ein oder andere Ehering-Imitat mit der Toilettenspülung in unbekannte Tiefen - die echten Ringe wären denn doch zu wertvoll gewesen.

"Es ist wichtig, nach dem oft schmerzhaften Scheidungsprozess wieder raus zu gehen und zu feiern. Das ist eine emotionale Befreiung", sagt die Organisatorin von "Amerikas größter Scheidungsparty", Christina Rowe. Ihr Mann hatte sie nach 13 Ehejahren verlassen. Rowe glaubt, dass es in Zeiten instabiler Beziehungen zunehmend einen neuen, selbstbewussteren Umgang mit Trennungen gibt. "Eine Scheidung ist auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, den man genauso feiern sollte wie Geburtstage oder Hochzeiten."

Scheidungs-Spaßartikel

Es gibt viele Belege, dass Scheidungen in den USA inzwischen auch fröhlich zelebriert werden: Im Internet gibt es unzählige Utensilien zu kaufen, die sich über Scheidungen lustig machen, Konditoreien offerieren Scheidungs-Torten. Ein Unternehmen in New Orleans verleiht Leichenwagen an frisch Geschiedene, die mit Freunden symbolträchtig den "Tod ihrer Ehe" feiern wollen.

Besonders erfolgreich ist die Internet-Anbieterin Angie Schmidt. Nachdem ihr Mann sie 2006 wegen einer Geliebten namens Katie verlassen habe, hätten ihr Freundinnen ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Fragt Katie, wo mein Mann ist" geschenkt, berichtet sie. Erstmals seit der Scheidung habe sie wieder lachen können - deshalb beschloss die Betriebswirtin und Marketingexpertin lustige Scheidungs-Geschenke zu vertreiben. Heute reicht ihre Produktpalette von Ehering-Särgen bis hin zu dem Ex nachgebildeten Vodoo-Puppen. Ihre Internet-Boutique benannte sie nach der Geliebten ihres Ex-Mannes: smashingkatie.com ("Nieder mit Katie!").

Scheidungen sind normal

Der jüngste Trend habe einen ernsten sozialen Hintergrund, erklärt der renommierte Soziologe Prof. David Popenoe. "Scheidungen sind in den USA so normal geworden, dass sie als selbstverständlicher Teil des Lebens akzeptiert werden", sagt er. In den 60er Jahren sei die Scheidungsrate explosionsartig angestiegen und habe die USA zum Scheidungs-Land Nummer eins in der Welt gemacht. Seit Mitte der 80er Jahre sei die Rate zwar rückläufig, aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine neu geschlossene Ehe in den USA scheitere, liege heute bei knapp 50 Prozent.

Inzwischen gibt es auch deutliche Kritik an dem Geschäft mit den eigenwilligen Artikeln und Veranstaltungen. "Jede Scheidung ist ein Ärgernis für Gott. Deshalb sollten Trennungen Tränen hervorrufen, nicht Lacher und Witze", schimpfte der bei Evangelisten populäre christliche Blogger Barabbas über den lockeren Umgang mit traditionellen moralischen Werten. "Scheidungen sind schmerzvoll, besonders wenn Kinder betroffen sind", mahnt auch Prof. Popenoe. "Die Gesellschaft sollte natürlich daran arbeiten, die Scheidungsrate zu senken, statt Scheidungen zu feiern." Aber wissenschaftlich betrachtet belegten Scheidungs-Feste nur den Wertewandel, auch in dem noch immer sehr religiösen Amerika.

Scheidung per Preisausschreiben

Nicht nur in den USA nimmt man Trennungen immer lockerer. In Australien werden Scheidungen schon per Preisausschreiben angeboten. Das Männermagazin "Zoo Magazine" hat einen Wettbewerb mit einer kostenlosen Scheidung als Hauptgewinn ausgeschrieben. "Zoo Magazine" werde sämtliche Kosten übernehmen, erklärte Chefredakteur Paul Merrill. "Es ist ziemlich traurig, wenn eine Ehe scheitert, aber noch trauriger ist es, wenn ein Mann mit einer Frau unter einem Dach festsitzt, die vielleicht mit seinem besten Freund geschlafen hat", sagte Merrill. Zum Gewinn gehört auch die Hilfe bei der Suche nach einer neuen Freundin.

Vorwürfe, dass solche Preise Ehemänner zur Scheidung treiben, wies Merrill zurück: "Ein glücklich verheirateter Mann wäre ja bescheuert, wenn er sich an einem Preisausschreiben um eine Scheidung beteiligt." Die Zeitschrift hatte im vergangenen Jahr bereits mit einem Wettbewerb Frauengruppen gegen sich aufgebracht. Dem Gewinner winkten Brustimplantate für seine Freundin oder Frau. (sgo/dpa)

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