Welt : Scheu, aber beliebt

Der mutmaßliche Mörder von Jakob leitete auch Kindergruppen

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Der mutmaßliche Mörder des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler stand mitten im ersten Jura-Examen: Der 27 Jahre alte Student hatte den schriftlichen Teil gerade hinter sich, die mündlichen Prüfungen standen unmittelbar bevor. In seinem Umfeld galt er als unauffällig und beliebt. In seiner Freizeit tat er sich vor allem als Vorsitzender des Eintracht-Frankfurt-Fanclubs „Southforce“ hervor. Ob er so mit seinem elf Jahre alten Opfer in Kontakt kam, war eine Woche nach dem Verschwinden des kleinen Jakob ebenso unklar wie das mögliche Motiv des Mordverdächtigen. Jakob galt als ausgesprochener Eintracht-Fan; sein Vater ist Mäzen des Fußballvereins.

Zwar besuchte der Tatverdächtige dasselbe Gymnasium wie das 16 Jahre jüngere Opfer, die Schule war nach Darstellung von Direktor Volker Räuber aber kein Anknüpfungspunkt zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter. Möglicherweise kannten sich die beiden aus der Nachbarschaft: Der Student konnte aus seiner Wohnung im ersten Stock eines Mietshauses in Sachsenhausen direkt auf die Bushaltestelle schauen, an der der Bankierssohn nach Schulschluss aus dem Linienbus stieg. Möglich ist auch, dass der Kontakt über die Geschwister von Jakob zu Stande kam. Der Student im 13. Semester, der aus einer streng katholischen Familie kommen soll, lebt schon seit seiner Kindheit in dem Stadtteil, er besuchte dort bereits die Grundschule.

Nachbarn beschreiben den 27-Jährigen als „sympathisch und hilfsbereit“. Eine Frau sprach sogar von „einem herzensguten Menschen“. Der Pfarrer der katholischen St. Bonifatius-Gemeinde, Richard Weiler, der den Verdächtigen seit seiner Kindheit kennt, ist wie die Nachbarschaft schockiert: „Man kann sich das gar nicht erklären, man kann ihm das gar nicht zuordnen.“ Weiler beschreibt den Verdächtigen als „ein bisschen scheu, eher verschlossen und nicht besonders kommunikativ“. „Aber man konnte sich immer auf ihn verlassen, er war ein guter Organisator und beliebt.“

Bis vor etwa drei Jahren habe er in der Bonifatius-Gemeinde regelmäßig Kinder- und Jugendgruppen geleitet, dabei sei er nie irgendwie negativ aufgefallen. Der Verdächtige soll auch mit vielen Jugendlichen aus dem Viertel Kontakt gehabt haben. Ein 16-Jähriger beschreibt ihn als „eigentlich ganz lustig und nett“ und sagt dann fassungslos: „Das kann man ja gar nicht glauben.“dpa

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