Welt : Schick statt schrill

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Erfurt (dpa). Viele der 7500 Konzertbesucher hatten Tränen in den Augen. Sie hielten sich in den Armen. Aus einigen Feuerzeugen loderte eine spärliche Flamme. Auch Popstar Elton John war die Anspannung bei seinem Benefizkonzert in Erfurt anfangs deutlich anzumerken. Gebeugten Hauptes trat er vor seine Fangemeinde. Das schrille Outfit hatte er im Schrank gelassen. Ganz dezent in einen dunklen Anzug gekleidet, kam er nach Erfurt. Zu frisch waren die Eindrücke der Bluttat vom Gutenberg-Gymnasium, wo Ende April der 19-jährige Robert Steinhäuser 16 Menschen erschossen und sich selbst getötet hatte. „Das ist unser Tribut an diese Menschen, die so brutal ihr Leben verloren haben“, sagte der 55-jährige Sänger. Unter den 7500 Fans saßen 640 Schüler, Eltern und Lehrer des Gutenberg-Gymnasiums, die Elton John mit einem persönlichen Brief eingeladen hatte. Den Erlös des Abends in Höhe von 170 000 Euro spendet Elton John den Hinterbliebenen des Amoklaufes. Nach den ersten beiden Liedern stand Elton John hinter seinem schwarzen Flügel auf und trat gesenkten Hauptes an das Frontmikrofon. „Ich bin stolz, hier zu sein und denke, es ist richtig, weiterzumachen“, sagte er. Der 1995 mit dem Oscar ausgezeichnete Popstar verzichtete auf große Statements und richtete nur wenige Worte an die Hinterbliebenen und Freunde der schrecklichen Bluttat vom 26. April. „Ich habe in Australien davon erfahren und überlegt, ob ich überhaupt hierherkommen soll.“ Dann habe er sich bewusst für die Stadt entschieden, die lange Wochen der Trauer hinter sich hat. „Wir können nicht Musik machen, ohne daran zu denken, weshalb wir hier sind“, sagte der Rockmusiker.

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