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Schießerei in Sikh-Tempel : CNN: Todesschütze von Wisconsin war Armee-Veteran

Wieder löst ein Blutbad in den USA Entsetzen und Schock aus. Und wieder kommt die Frage nach dem Warum. War es ein gezielter Anschlag gegen eine religiöse Gemeinde?

Schoss der Attentäter von Wisconsin aus Hass auf den Islam um sich?
Schoss der Attentäter von Wisconsin aus Hass auf den Islam um sich?Foto: dapd

Der Todesschütze von Wisconsin war nach Informationen des US-Senders CNN ein Armee-Veteran. Die Identität des Täters, der möglicherweise rassistische Motive hatte, werde frühestens am Montagmorgen (Ortszeit) bekanntgegeben, berichtete der Sender unter Berufung auf Behörden. Bei der Schießerei in einem Sikh-Tempel im Bundesstaat Wisconsin kamen am Sonntag sieben Menschen ums Leben, darunter auch der Attentäter. Augenzeugen berichteten laut CNN, dass der Mann eine „9/11“-Tätowierung getragen habe - möglicherweise zum Gedenken an die Anschläge vom 11. September.

Die Behörden stufen das Blutbad bei ihren Ermittlungen als „eine Art heimischen Terrorismus“ ein, wie der zuständige Polizeichef John Edwards am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Oak Creek (Bundesstaat Wisconsin) mitteilte. Demnach geht die Polizei offenbar zumindest derzeit von der Annahme aus, dass der Anschlag gezielt der Sikh-Gemeinde galt.

Ein zunächst von dem Behörden nicht identifizierter Mann hatte am Vormittag in dem Tempel das Feuer auf Gläubige eröffnet. Wenig später wurde der Täter dann selbst von einem Polizisten erschossen. Die Verletzten erlitten nach Angaben eines Krankenhaussprechers zum Teil Schusswunden in der Bauchgegend, im Gesicht und im Nacken. Ihr Zustand sei „kritisch“. Zu ihnen zählt ein Polizeibeamter, der laut Edwards von dem Täter unter Beschuss genommen wurde, während er einem Opfer zu helfen versuchte. Ein zweiter Polizist konnte den Schützen dann stoppen.

Dem Sender CNN zufolge wurden im Tempel zwei halbautomatische Waffen sichergestellt. Offiziell bestätigt wurde das aber zunächst nicht.

US-Präsident Barack Obama bekundete „tiefe Trauer“ und Anteilnahme. In einer in Washington veröffentlichten Erklärung bot er zugleich Hilfe der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Bluttat an und würdigte die Rolle der Sikhs im amerikanischen Leben. Sie seien eine Bereicherung für das Land und „ein Teil unserer erweiterten amerikanischen Familie“, erklärte Obama. Auch sein republikanischer Herausforderer bei der Wahl im November, Mitt Romney, verurteilte den „sinnlosen Akt der Gewalt“.

Edwards zufolge ist sich die Polizei zunehmend sicher, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Insgesamt hüllten sich die Behörden aber auch Stunden nach dem Blutbad noch strikt über Einzelheiten des Vorfalls in dem Vorort von Milwaukee in Schweigen. So gab es auch zunächst keine Angaben über die Todesopfer. Mehr Informationen wurden für Montag in Aussicht gestellt.

Schießerei in einem Sikh-Tempel in USA
Trauer bei den Hinterbliebenen: Sie können die Tat nicht fassen.Alle Bilder anzeigen
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05.08.2012 22:08Trauer bei den Hinterbliebenen: Sie können die Tat nicht fassen.

Lokalsendern zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Attacke möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Gebäude auf. Die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein gemeinsames Mittagessen der Gläubigen gefallen.
Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger.

Zu den Verletzten gehört möglicherweise auch der Präsident der Sikh-Gemeinde von Oak Creek. Dessen Sohn sagte dem Sender CNN, ein Priester habe ihn aus dem Tempel angerufen und berichtet, dass sein Vater verletzt worden sei. Ein Gemeindemitglied äußerte sich fassungslos über die Bluttat. „Warum?“ fragte er. „Wir sind doch friedliebende Menschen. Wir achten unsere Mitmenschen.“ Die jetzige Schießerei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer „Batman“-Premiere 12 Menschen erschossen und knapp 60 verletzt.

Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe. (dpa)

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