Schießerei : Mordnacht von Duisburg: Es war die Mafia

Szenen wie aus einem Mafia-Krimi in Duisburg: Bei einer Schießerei auf offener Straße wurden in der letzten Nacht sechs Italiener ermordet. Die Hinweise verdichten sich immer mehr, dass es sich um ein Verbrechen der Mafia handelt.

Duisburg
Duisburg: Ein Bestatter schiebt einen Toten zum Leichenwagen. -Foto: ddp

DuisburgIn der letzten Nacht nach zwei Uhr fallen Schüsse in der Duisburger Innenstadt. Vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" nahe des Hauptbahnhofs werden sechs Italiener in ihren Autos regelrecht hingerichtet. Fünf der Opfer sind sofort tot, ein sechster stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Eine Passantin ruft die Polizei, sie  hörte die Salven, die auf die Autos abgegeben wurden aus einiger Entfernung. Eines der Autos hatte ein Duisburger Nummernschild, das zweite ein Kennzeichen aus Pforzheim in Baden-Württemberg.

Die beiden Autos vor dem Restaurant werden von Kugeln durchsiebt. Zuletzt bekommen die Opfer Schüsse in den Kopf. Die Täter wollten wahrscheinlich sicher gehen, dass keiner von ihnen überlebt. Eine Überwachungskamera hat die Bluttat eventuell aufgezeichnet. Die Polizei wertet zur Stunde die Bilder aus. Die Ermittler hoffen auf neue Erkenntnisse über die Täter. Bisher ist nur klar: Die Täter haben aus nächster Nähe auf die Opfer geschossen. "Es muss sich um mehr als einen Täter gehandelt haben", sagte Pape. "Es ist oft geschossen worden." Am Tatort wurden zahlreiche Geschosshülsen gefunden. Die Opfer selbst waren offenbar unbewaffnet. Zeugen haben ausgesagt, dass sich zwei unbekannte Personen ebenfalls am Tatort aufgehalten haben.

Drahtzieher aus Italien

Die Hintergründe der Tat finden sich wohl in Italien. Alle sechs Opfer gehörten nach Angaben der Polizei in Rom der Familie Pelle-Romeo aus der Ortschaft San Luca in Kalabrien an. Die Killer kommen wahrscheinlich aus dem rivalisierenden Clan Strangio-Nirta. Zwischen den beiden Familien gibt es schon seit längerer Zeit Streit. Am Nachmittag sollen auf einer Pressekonferenz der Duisburger Polizei die neuesten Erkenntnisse vorgestellt werden.

Die italienische Zeitung "La Repubblica" geht von einer Tat aus dem Mafia Milieu aus. Die Toten seien Angehörige eines Clans der 'Ndrangheta', wie die Mafiafamilie aus der süditalienischen Provinz Kalabrien heißt. Wie das Blatt unter Berufung auf italienische Ermittler und Interpol berichtet, sollen die Toten Opfer einer Blutrache zwischen zwei rivalisierenden 'Ndrangheta-Gruppen sein. Der Besitzer einer Pizzeria, die sich unweit des Tatorts befindet, sei Mitglied eines der beiden Clans gewesen.

Mafia in Deutschland sonst nur verdeckt aktiv

Der Vize-Chef der Polizei der italienischen Provinzhauptstadt Region Calabria, Luigi de Sena, sagte dem Blatt zufolge, es sei das erste Mal, dass es im Ausland zu solch einer offenen Austragung eines Konflikts zwischen konkurrierenden Mafia-Clans gekommen sei. Die 'Ndrangheta' sei in Deutschland sehr stark, habe ihre Streitigkeiten aber bislang fernab der Öffentlichkeit ausgetragen, um möglichst unauffällig zu bleiben. In Duisburg gab es bisher kleine auffällige Aktivitäten der Mafia. Mit einer Großfahndung hofft die Polizei doch noch der Täter in Kürze habhaft zu werden. Allerdings ist es fraglich, ob sich diese noch in der Gegend aufhalten. Die Ermittler suchen zur Stunde zwei Täter. (Von Markus Mechnich)

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