Schiffsdrama : Wellen reißen vier Seeleute in den Tod

Einzig eine gelbe Rettungsinsel und einsam dahinschwimmende Fischkisten zeugen noch von der Existenz des Fischkutters "Hohe Weg". Schiff und Besatzung wurden offenbar von den reißenden Fluten der Nordsee verschluckt.

Brake/Sassnitz - "Leider ist nicht mehr damit zu rechnen, dass wir noch Überlebende finden", sagt der Sprecher der Wasserschutzpolizei Bremerhaven, Harald Krengel, am zweiten Tag der Suche nach den Schiffbrüchigen. Die vier aus Niedersachsen und von der Insel Rügen stammenden Männer waren am Mittwochabend mit ihrem Kutter den Naturgewalten hilflos ausgeliefert. Die letzte bekannte Position des Kutters lag rund 16 Seemeilen südöstlich der Insel Helgoland. Das Wasser der Nordsee hatte gerade mal zehn Grad Celsius. "Nur ein kurzes Notsignal von Bord des Schiffes fingen die Seenotretter noch auf. Seither fehlt jedes Lebenszeichen", sagt der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Andreas Lubkowitz.

Nach Medieninformationen handelt es sich bei den Vermissten um einen 18 Jahre alten Auszubildenden aus dem Kreis Friesland, den 27 Jahre alten Kapitän aus Brake und zwei Besatzungsmitglieder von Rügen, 38 und 47 Jahre alt.

Firmengelände wirkt wie ausgestorben

Das Kutterunglück ist Gesprächsthema Nummer eins, so eine Imbissverkäuferin in Brake. "Wir hoffen und bangen im ganzen Ort, dass vielleicht doch noch jemand lebend gefunden wird."

Das Firmengelände des Fischereibetriebs Hullmann, zu dem das Schiff gehörte, wirkt am Freitag wie ausgestorben. Ein sonst sehr frequentierter und beliebter Fisch-Imbiss ist geschlossen. Lediglich ein Schild lässt die Tragödie als Grund erahnen: "Aus familiären Gründen bis auf Weiteres geschlossen." Das Unternehmen selbst will sich zunächst nicht äußern.

Auch die Ostseefischer sind schockiert

Der Erste Stadtrat des 16.000-Einwohner-Ortes an der Unterweser, Herbert Meier, ist tief erschüttert. "Wir sind sehr betroffen, dass so was trotz modernster Technik durch Naturgewalten passieren kann. Es tut uns sehr leid", sagt er.

Schockiert sind auch die Ostseefischer. In den vergangenen Tagen waren wegen des Herbststurmes viele Kutter zwischen Wismar und Wolgast im Hafen geblieben. Am Freitag, einen Tag nach dem Unglück, machten vor Tagesanbruch jedoch schon wieder deutlich mehr Fischereischiffe die Leinen in den Heimathäfen los. Dabei habe man aber schon ein komisches Gefühl, sagt ein Fischer in Warnemünde. Ein pensionierter Küstenfischer in Sassnitz, der fast jeden Tag noch einen Schnack mit ehemaligen Kollegen hält, meint, er habe die Verunglückten zwar nicht gekannt, aber der Beruf verbinde.

Die Suche geht weiter

Indes geht die Suche seit Sonnenaufgang weiter. Auf einer Sandbank wurden weitere Ausrüstungsgegenstände des Kutters angespült. Streifenwagen fahren die Küste zwischen Bremerhaven und Cuxhaven ab. Seenotkreuzer und Marineschiffe patrouillieren in der Nordsee. Hubschrauber und Flugzeuge versuchen, von der Luft aus Hinweise auf den Verbleib des Kutters zu finden.

Warum die Fischer trotz eindeutiger Wettervorhersagen Kurs auf die offene See nahmen und dann offensichtlich kenterten, prüft nun die Wasserschutzpolizei. "Wenn wir das Wrack finden, wissen wir mehr", sagt ihr Sprecher Krengel. Experten vermuten die Mannschaft noch im untergegangenen Kutter. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben