Schiffsunglück in Indonesien : Touristen treiben stundenlang im Meer, einige retten sich auf einsame Insel

Das Schiff sinkt, die Rettung ist fern: 20 Touristen und die Crew kämpfen im Meer stundenlang ums Überleben. Zehn schaffen es auf eine Insel. Die anderen treiben mehr als 24 Stunden im Meer.

Eine der geretteten Urlauberinnen in Indinesien hängt am Tropf. Alle Geretteten sind stark dehydriert.
Eine der geretteten Urlauberinnen in Indinesien hängt am Tropf. Alle Geretteten sind stark dehydriert.Foto: dpa

In Indonesien geht ein Touristenboot unter, 20 Urlauber und fünf Crewmitglieder kämpfen stundenlang gegen Wellen, Angst und Erschöpfung ums Überleben. Wie Schiffbrüchige im Film retten sich einige auf eine einsame Insel. 18 Touristen, darunter vier Deutsche, und die Crew werden später gerettet. Doch zwei Spanier werden auch am Montag noch vermisst. Das indonesische Fernsehen zeigt die Überlebenden, teils mit schwerem Sonnenbrand, aber in erstaunlich guter Verfassung.
Es war so ein typischer Urlaubstraumtrip: ein romantisches Segelschiff namens „Versace Amara“ mit hölzernen Dielen, ein lauer südostasiatischer Wind in den bunten Segeln - und 20 Touristen in Urlaubslaune. Tony Lawton und Gaylene Wilkinson aus Neuseeland sind dabei. Sechs Wochen Indonesien mit Tauchen und Abenteuer haben sie geplant, wie der neuseeländische Nachrichtendienst Fairfax Media berichtet.
Die beiden buchen wie die vier Deutschen und die anderen Touristen einen dreitägigen Törn von Lombok bei Bali zu den Komodo-Inseln. Sie wollen Komodo-Drachen ansehen. Die drei Meter langen Echsen sind die Touristenattraktion auf der Insel.
Die Truppe kennt sich nach mehr als 24 Stunden an Bord, man kann sich die ausgelassene Stimmung vorstellen. Irgendwann in der Nacht von Freitag auf Samstag streift das Boot aber ein Riff, der Rumpf wird beschädigt, Wasser dringt ein. Es ist Nacht. Das Schiff beginnt zu sinken.

Die Besatzung hatte nichts, um Alarm zu schlagen

„Das Boot war aus Holz und blieb noch elf Stunden über Wasser“, schreibt Wilkinson nach Angaben von Fairfax später per E-Mail nach Hause. „Wir sind auf das Dach geklettert und haben auf Rettung gewartet.“ Die Besatzung hat nach Angaben von Wilkinson nichts an Bord, um Rettungskräfte zu alarmieren. Niemand kommt.
Nun kommt Plan B: sich selbst ums Überleben kümmern. Es sind 25 Leute an Bord. „Aber wir hatten als Rettungsboot nur eine Jolle für sechs Leute“, schreibt Wilkinson. Wenigstens gibt es Schwimmwesten. „Die zehn besten Schwimmer entschlossen sich, an Land zu schwimmen“, berichtet Lawton dem Sender TV3. „Wir dachten, wir schaffen es, und es hat auch geklappt, aber es war eng.“ Die Vulkaninsel Sangeang liegt fünf Kilometer entfernt. Das Meer ist rau, die Wellen sind hoch. Die Sonne ist erbarmungslos. Die Gruppe wird auseinandergerissen. Wie durch ein Wunder schaffen es schließlich doch alle nach Sangeang.
Dort gibt es nichts, außer einen rauchenden Vulkan. Die Leute können nur ihren Urin trinken, wie Wilkinson dem Sender TV3 berichtet. „Man tut halt, was man tun muss.“ Den Überlebenden gelingt es schließlich, vorbeifahrende Boote auf sich aufmerksam zu machen.
Zu dem Zeitpunkt treibt die zweite Gruppe der Bootsinsassen noch im Meer. Trotz Wellen, trotz Übermüdung und Angst schaffen es 13, sich nicht aus dem Auge zu verlieren. Ein paar Leute sind in der Jolle, die anderen halten sich mit Schwimmwesten über Wasser. Sie treiben ab, 60 Kilometer, sagt der Katastrophenschutz später. „Sie müssen Überlebenstraining gehabt haben“, sagt ein Retter später. „Sie sind über all die Stunden im Meer eng zusammengeblieben.“ Am Sonntagabend entdeckt ein Fischer die Truppe und bringt sie endlich ins Trockene. Das Schicksal der zwei vermissten Spanier war indes noch offen. (dpa)

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