Schiffsunglück in Italien : Costa Concordia: Noch eine mysteriöse Frau

In italienischen Medien kursieren Gerüchte, die Besatzung habe Plätze in Rettungsbooten verkauft. Und die Bahn entschuldigt sich bei einem deutschen Paar, das schlecht behandelt wurde.

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Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
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12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Der Kapitän der „Costa Concordia“, Francesco Schettino, stand zum Unglückszeitpunkt nicht unter Drogen. Das ergab ein Test. Ein Alkoholtest unterblieb allerdings. Derzeit kursieren in italienischen Medien Gerüchte, Plätze in den Rettungsbooten seien von der Besatzung verkauft worden. Und eine weitere mysteriöse Frau wird gesucht, die sich als Vertreterin der Reederei in einem Hotel der Insel Giglio vorstellte. Sie soll Schettino an Land in Empfang genommen haben. Da Schettino mit einem Notebook an Land ging, das jetzt verschwunden ist, kursieren Vermutungen, die Frau könne es an sich genommen haben. Die Reederei behauptet, die Person, die man nach Giglio schickte, habe nichts in Empfang genommen.

Dem Deutschen Kapitänsverband liegen keine Hinweise oder Beschwerden vor, dass Reedereien Kapitäne unter Druck setzen, riskante Manöver zu unternehmen. „Wenn Reedereien das täten, das wäre Selbstmord“, sagte Kapitän Wilhelm Mertens, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere, am Montag. Wie berichtet, hatte Kapitän Schettino gegenüber Ermittlern gesagt, die „Verbeugung“ vor der Isola del Giglio sei von der Reederei „aus Werbegründen sogar nachdrücklich verlangt“ worden. Laut „Corriere della sera“ hat Schettino vor der Untersuchungsrichterin in der vergangenen Woche allerdings zugegeben, in der Zeit nach dem Unfall keinerlei Druck von der Reederei ausgesetzt gewesen zu sein. Er sei „immer frei in seinen Entscheidungen gewesen“ heißt es dort. Umso unklarer ist, weshalb er so lange – mehr als eine Stunde – zögerte, um Hilfe zu holen und mit der Rettung von Besatzung und Passagieren zu beginnen. Er habe angeordnet, mehr Informationen über „diesen verflixten Riss“ im Schiffsrumpf zu sammeln, sagte Schettino. „Ich habe Notfallalarm gegeben, als ich überzeugt war, dass es keinen anderen Weg gebe.“ Das sei wohl zu spät gewesen, gab er im Verhör zu. Aber er habe sichergehen wollen, dass er nicht unnötig Panik verbreite und es dadurch Tote gebe. Wie dramatisch die Lage war, müsste der Kapitän nach Aussagen einiger seiner Offiziere aber bald gewusst haben. Der Verantwortliche im Maschinenraum, Giuseppe Pilon, sagte aus, er habe sofort nach dem Aufprall nachgesehen. Dem Kapitän habe er dann unmittelbar mitgeteilt, „dass wir die Kontrolle über das Schiff verloren haben“. Dies bestätigt der Wachhabende im Maschinenraum, Alberto Fiorito: „Wir zählten fünf überflutete Räume; wir wussten aber, dass das Schiff nur drei toleriert.“ Doch Schettino wartete, telefonierte und ging, wie er selbst im Verhör gesagt haben soll, schließlich in seine Kabine, „um einige Aufzeichnungen zu holen, was ich aber nicht schaffte“. Welche, darüber gibt es keine Aussagen.

Am heutigen Dienstag soll mit dem Abpumpen des Treibstoffs begonnen werden. Gleichzeitig wird weiter nach Vermissten gesucht. Das Schiff selbst muss derzeit offenbar nicht stabilisiert werden. Der Notfall-Verantwortliche Franco Gabrielli sagte: „Das Schiff ist stabil und braucht keinen Eingriff von außen, um seine Statik zu verbessern. Es gibt keine Gefahr, dass es sinkt.“

Unterdessen hat sich die Deutsche Bahn bei dem Ehepaar aus dem Westerwald, das seine Tickets bei der Flucht im Safe zurücklassen musste, entschuldigt. Die beiden hatten nicht viel mehr als Abendgarderobe und Hausschuhe am Körper – und durften in Frankfurt am Main nicht in den ICE einsteigen.ade/kög/os

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