Welt : Schill out – wo ist er geblieben?

Hamburger Ex-Senator spurlos verschwunden

Meike Fries

Er genoss eine Zeit lang den höchsten Unterhaltungswert in der Politik – Ronald Schill, skandalsuchender ehemaliger Innensenator Hamburgs. Der wegen harscher Urteile „Richter Gnadenlos“ genannte Ronald Barnabas Schill, der mit markigen Sprüchen unter dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust zum Innensenator und zum Zweiten Bürgermeister wurde, hatte den Hamburgern seinen rasanten politischen Aufstieg mit jeder Menge Skandale gedankt. Nachdem er Ole von Beust als homosexuell outete, wurde er gefeuert. Als er bei den vorgezogenen Neuwahlen scheiterte, kündigte er an, Deutschland für immer zu verlassen. Er deutete an, er wolle Skipper in der Karibik werden, oder vielleicht Schriftsteller in Uruguay. Auch Kuba war bei ihm angesagt. Er sprach vom „morbiden Charme des untergehenden Castro-Regimes". Doch wo ist Ronald Schill heute, was treibt er? Beim Hamburger Landesverband von Schills Partei Pro DM steht er als „Landesvorsitzender“ und „z.Zt. ortsabwesend“ auf der Website. Seinen ehemaligen Parteifreund Peter Rehaag, Ex-Umweltsenator in Hamburg und mittlerweile Mitglied der CDU, erreichen wir in Moskau. Er bestätigt, dass Schill 2004 nach Kuba gegangen ist. „Aber nur kurzfristig, dann ist er weiter nach Südamerika.“ Das vergangene Jahr habe Schill seines Wissens in Brasilien verbracht, was er dort so getrieben habe, wisse er nicht.

Ab und an kommt Schill aber wohl doch zurück in die Hansestadt. Im Juni letzten Jahres wurde er mit Investor Dieter Becken, einem Geschäftspartner aus der Baubranche und eben Peter Rehaag in der Bar „Olli´s Down Town“ in Hamburg Uhlenhorst gesehen, berichtete das „Hamburger Abendblatt“ damals.

„Wir haben abgemacht, wir sagen nichts“, sagt Karin Bohnsack, Bezirksvorsitzende Hamburg-Wandsbek im Landesverband von Pro DM. Ob Schill nach Deutschland zurückgekehrt sei, wisse sie nicht, aber „es kann sein, ja.“ Sie scheint zu wissen, wo er ist. Sagt es aber nicht. Auch Schills frühere Lebensgefährtin Katrin Freund sagt, sie wisse nichts. „Es ist ja seine Entscheidung, ob er mir seinen Aufenthalt mitteilt oder nicht“.

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