Welt : Schlaf mal wieder

Holger Müller-Hillebrand

Haben Sie auch bereits ihr 25. Lebensjahr hinter sich gelassen? Dann gehören Sie dazu - zu denjenigen, die mitten im Alterungsprozess stecken. Denn ab Mitte 20, das ist wissenschaftlich erwiesen, beginnt die Haut sichtbar zu altern. Tag für Tag verliert das größte menschliche Organ fortan seine Widerstandskraft gegen schädliche Umwelteinflüsse, nimmt die Zellproduktion ab und speichert das Bindegewebe weniger Feuchtigkeit. Die Folgen: Die Haut verliert ihre Elastizität und bildet Falten.

Stoppen lässt sich dieser Prozess zwar nicht. Doch wer etwa die viel zitierten "Krähenfüße" - Falten im äußeren Lidwinkel - nicht einfach hinnehmen möchten, kann das Altern der Haut verlangsamen. Haupt-Gifte für die Haut seien starke Sonneneinwirkung und Nikotin, sagt Professor Wolfram Sterry. Der Leiter der Universitäts-Hautklinik in der Berliner Charité ist auch kein Gegner von medizinischen Eingriffen ins Gewebe: "Das kann sinnvoll sein" - vor allem, wenn Falten Beeinträchtigungen hervorriefen, zum Beispiel hängende Augenlider die Sehkraft schwächten.

Dem schleichenden Verfall lässt sich zudem mit Präparaten der "Anti-Aging-Medizin" vorbeugen. Ob Cremes, Lotions, Salben, Gesichtswasser, Masken, Pflanzenöle oder Peelings - die Produktpalette ist hier fast unbegrenzt. Beispiel Vitamin-A-Cremes: Sie bändigen die so genannten freien Radikale, die als Hauptursache für den Alterungsprozess gelten. Die Radikale zerstören Kollagen- und Elastinfasern, die das Bindegewebe stützen, und greifen auch die Zellwände an. "Vitamin A regt die Bildung des Bindegewebes an", sagt Sterry, der dem "Anti-Aging"-Bereich ansonsten skeptisch gegenübersteht: "Damit wird viel Geld gemacht, doch nicht alle Produkte sind zu empfehlen."

Bei größeren und tiefen Falten sind andere Behandlungsmethoden angesagt. Das bedeutet nicht, dass man sich gleich zum Face-Lifting unter dem Skalpell anmelden muss. "Der Trend geht eher weg von den großen Operationen", sagt Sterry, "die Leute wollen keine synthetische, unnatürliche Faltenfreiheit mehr." Auch der amerikanische Chirurg Harold Brody sagt im US-Nachrichtenmagazin "Newsweek", dass das "gemachte Gesicht", wie es bei Face-Lifting-Operationen noch vor zehn Jahren populär war, der heutigen Generation als zu künstlich erscheine.

Gängig seien heute daher so genannte Unterspritzverfahren, bei denen Kollageen oder Acrylate direkt unter die Falten gespritzt werden. Der Nachteil: Die Wirkungszeit ist begrenzt, meist muss der Eingriff nach einigen Monaten wiederholt werden. Eine Behandlungsweise, die von ihrem Ergebnis her mit den bekannten Lasertechiken verglichen werden kann, ist das Peeling. Hierbei wird mit Hilfe von chemischen Säuren die obere Hautschicht quasi weggeätzt, damit sich innerhalb von Wochen eine neue, deutlich frischere Schicht bilden kann. Die Behandlung mit Botulinum Toxin, kurz Botox, stellt eine der jüngsten Methoden dar. Das nervenlähmende Präparat lässt sich vor allem gegen durch die Mimik erzeugte Falten einsetzen. Säuren und Nervengift - was sich gefährlich anhört, soll nicht wirklich riskant sein: "Wenn das ein Fachmann macht, kann nichts passieren", sagt Sterry. Wichtig seien aber kompetente Beratungen, ob und welcher Eingriff Sinn mache.

Die Schönheit muss man sich einiges kosten lassen. Unterspritzungen sind zwischen 800 und 1550 Mark, Peelings und Butox-Spritzen zwischen 1850 und 10 000 Mark sowie Face-Liftings nicht unter 15 000 Mark zu haben. Dennoch erfreuen sich ärztliche Schönheitseingriffe zunehmender Beliebtheit. So hat der Münchner Chirurg Dr. Wolfgang Kümpel dieses Jahr bereits über 1000 Operationen hinter sich gebracht - Tendenz steigend. Der Vorsitzende des Landesverbands der Plastischen Chirurgen in Berlin, Dr. Detlev Witzel, liftet nahezu täglich ein Gesicht.

Doch allen Cremes, Lasern und Skalpellen zum Trotz: Ein jüngeres Aussehen lässt niemand jünger werden. Und einer der besten Jungbrunnen ist völlig natürlich - und kostenlos: Der Schlaf. Wer ihn findet, lässt das Gewebe über Nacht regenerieren und die Feuchtigkeitsdepots der Haut wieder auffüllen.

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