Welt : Schlag gegen Schleuser

21 Festnahmen / Auch Anwälte unter Verdacht

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Rostock Bei einer Razzia hat die Rostocker Polizei einem europaweit agierenden Schleuserring das Handwerk gelegt. 21 Tatverdächtige aus Deutschland, der Ukraine, Litauen und Israel wurden festgenommen, wie der Chef des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern, Ingmar Weitemeier, am Freitag in Rostock sagte. In mehreren Städten Norddeutschlands sowie in Hessen seien Objekte durchsucht und Konten beschlagnahmt worden. Ermittlungen gibt es den Angaben zufolge auch gegen Anwälte, die in die kriminellen Machenschaften verstrickt sein sollen.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) wertete den Polizeieinsatz als schweren Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Als Kopf der Bande gilt ein 29-jähriger Mann aus Litauen, der seit sechs Jahren in Rostock wohnt. Seiner straff geführten Organisation wird unter anderem die Einschleusung Dutzender osteuropäischer Frauen in die deutsche Rotlichtszene vorgeworfen. Außerdem wird wegen Körperverletzung und Schutzgelderpressung, Autoverschiebung, Geldwäsche in Millionenhöhe und Drogenhandel ermittelt. Der 29-Jährige sowie zehn seiner engsten Mitarbeiter sitzen den Angaben zufolge in Untersuchungshaft, die anderen Tatverdächtigen seien vorläufig wieder auf freiem Fuß.

Die Ermittler sind der kriminellen Vereinigung seit fünf Jahren auf der Spur. Ihr werden unter anderem Mord und Brandanschläge vorgeworfen. Erst allmählich seien auch Finanzgeschäfte aufgedeckt worden, sagte Weitemeier. So wurden über eine Briefkastenfirma auf Zypern Immobiliengeschäfte in ganz Deutschland angeschoben. Für mehrere Millionen Euro wurden Grundstücke und Wohnungen gekauft. Das Geld stammte offenbar vor allem aus dem Schleusergeschäft.

Allein im vergangenen Jahr waren in Mecklenburg-Vorpommern rund 50 Prostituierte in ihre Heimatländer abgeschoben worden, die sich ohne Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland aufgehalten hatten. Die Ermittlungen wurden über mehrere Jahre von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bundesgrenzschutz und Landeskriminalamt geleitet.

An der Razzia am Donnerstag waren rund 340 Beamte beteiligt. Durchsuchungen gab es laut einer Ministeriumssprecherin neben Rostock auch in Wismar, Hamburg, Lüneburg, Berlin und im hessischen Heppenheim. ddp/dpa

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