Welt : Schlag um Schlag zum Sieg

Kai Müller

Er ist ein Unbekannter: Nur Insider kennen den Techniker, der das Boot des vormaligen Vendée-Globe-Siegers Michel Desjoyeaux präparierte – ein gewissenhafter Arbeiter, bescheiden, zurückhaltend, ein Profi ohne Ausstrahlung. Jetzt hat Vincent Riou die härteste Segelregatta der Welt, das „Vendée Globe“, selbst gewonnen und sich zwei neue Namen erworben: „das Metronom“ nennen ihn die einen, andere sehen in ihm „den Schrecklichen“.

Riou hat sich auf dem über 23000 Meilen langen „Everest der Meere“ keinen Fehler geleistet; die Weltumrundung spulte er wie ein Uhrwerk ab. Gleich nach dem Start am 7. November im französischen Les Sables d’Olonne setzte sich der 32-jährige Riou mit seiner älteren Yacht „PRB“ an die Spitze – nur gefolgt von einem anderen Neueinsteiger, dem zwölf Jahre älteren Jean Le Cam. Zum Favoritenkreis zählten beide nicht. Vincent Riou hatte lediglich einige Erfolge bei französischen Meisterschaften erzielt. Als die zwanzig Teilnehmer am 18. Tag in den Flauten des St.-Helena-Hochs zu versacken drohten, konnten sich nur Riou und Le Cam freisegeln. Das war die Vorentscheidung. Als das Führungsduo Kap Hoorn umrundete, hatte ein Drittel der Konkurrenten schon aufgegeben. Den Schlussspurt machte schwacher Wind zum Flautenkrimi. Auf weniger als eine Meile rückt Le Cam an Riou heran; die Kontrahenten können einander zuwinken. Doch der Familienvater aus Loctudy behält seinen kühlen Kopf und erreicht das Ziel in der Nacht zum Donnerstag als Erster. Mit 87 Tagen unterbietet er den Rekord seines Mentors Desjoyeaux mit demselben Boot um sechs Tage.

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