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Schlammlawine in USA : Mindestens 176 Vermisste und 14 Tote

Nach einem gewaltigen Erdrutsch im US-Staat Washington sind mindestens 14 Menschen gestorben, mehr als 176 weitere werden noch vermisst. Gebäude und Fahrzeuge wurden zerstört, ein Highway und 49 Grundstücke verschüttet. Ein Geologe schlug schon vor Jahren Alarm.

Ludwig Rubenbauer
Der Highway ist überschwemmt. Mehrere Dutzend Häuser sind von der Schlammlawine verschüttet worden.
Der Highway ist überschwemmt. Mehrere Dutzend Häuser sind von der Schlammlawine verschüttet worden.Foto: dpa

Nach dem gewaltigen Erdrutsch im US-Bundesstaat Washington wurde die Zahl der Vermissten noch einmal deutlich nach oben korrigiert: Nachdem zunächst von 108 Vermissten die Rede gewesen war, stieg deren Zahl am Montagabend auf 176. Allerdings seien diese Angaben sehr vage. „Es gibt sicher Doppelzählungen“, vermutete Einsatzleiter John Pennington. Wie viele Opfer am Ende zu beklagen sein werden, sei noch unklar. Nach dem Eingang vieler Anrufe von Verwandten und Freunden vermisster Ortsbewohner werden diese Informationen nun ausgewertet. Pennington sieht zwar kaum noch Chancen für Überlebende, doch er fügte hinzu: „Ich glaube an Wunder“.

Die Hilfeschreie sind verstummt
Zerstörte Häuser in Oso nach ErdrutschWeitere Bilder anzeigen
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26.03.2014 08:19„Wie ein Bulldozer.“ Am Samstag den 22.März begrub ein Erdrutsch im US-amerikanischen Bundesstaat Washington 40 Grundstücke und...

Die etwa hundert Einsatzkräfte konzentrierten ihre Suche auf Orte, in denen es Luftkammern geben könnte, etwa Häuser und Autos.

Nach schweren Regenfällen hatte sich am Samstag von einem Berg bei Oso in Snohomish County plötzlich eine riesige Schlammlawine gelöst. Sie riss Häuser mehrere 100 Meter mit sich und rollte in einen Highway und in einen Fluss. „Es hörte sich wie ein Güterzug an“, sagte der Anwohner Dan Young, dessen Haus nicht zerstört, aber überschwemmt wurde, dem Sender Komo4News. „In nur 35 bis 40 Sekunden war es vorbei.“

Vier Meter tiefer Treibsand

Der örtliche Feuerwehrchef Travis Hots sagte, die Vermissten hätten sich in Siedlungen direkt auf dem Kurs der Schlammlawine befunden. "Wir hörten Schreie von Überlebenden und konnten trotzdem nicht zu Hilfe eilen. Einige Retter stecken buchstäblich bis zu den Achseln im Schlamm" sagte Hots weiter. Die Erdmassen seien schlüpfrig wie Treibsand, instabil und stellenweise bis zu viereinhalb Meter tief. Das erschwere die Suche der Rettungsteams. Diese hätten selbst per Hubschrauber gerettet werden müssen. Wie viele Menschen tatsächlich noch vermisst würden, sei noch nicht abzusehen, hieß es. Einige Menschen seien in ihren Autos von der Schlammlawine überrascht worden, als diese über den Highway hinwegfegte.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt: „Wir hoffen auf das Beste, aber wir müssen erkennen, dass dies eine harte Situation ist“, sagte er in Den Haag mit Blick auf schwindende Aussicht, Überlebende zu finden. Washington sprach dem Westküstenstaat Nothilfe zu. Ein Einsatzteam der Bundesbehörde Fema wurde noch am Dienstag in dem Katastrophengebiet erwartet.

Neue Regenfälle erschweren Rettungsarbeiten

Wie die Washington Post berichtet, wurden bei der Katastrophe mindestens 49 Grundstücke verschüttet. Darauf hätten 35 Häuser, eine Hütte sowie 13 Fertighäuser und Wohnmobile gestanden. Unter den 35 Häusern seien 25 das ganze Jahr über bewohnt, die zehn übrigen seien Ferienhäuser. Die Zeitung „Seattle Times“ berichtete, Oso habe schon 1967 und 2006 Erdrutsche erlebt.

Einsetzender Regen mache es „noch schwieriger“, Opfer zu finden, sagte Feuerwehrchef Travis Hots am Dienstag. Die Such- und Bergungsarbeiten dürften Wochen dauern. Die Chancen, noch Lebende unter den Erdmassen zu finden, schwinden von Stunde zu Stunde. Die etwa hundert Einsatzkräfte konzentrierten ihre Suche auf Orte, in denen es Luftkammern geben könnte, etwa Häuser oder Autos. Die Helfer suchten mit speziellen Geräten kleine Hohlräume ab, auch mit Wärmebildkameras und Horch-Instrumenten. Doch seit Samstag wurde niemand mehr lebend aus den Schuttmassen gerettet.

Warnungen ignoriert?

Wie die Zeitung „The Seattle Times“ berichtete, warnte Daniel Miller 1999 in einem Bericht vor „einem potenziellen, großen und katastrophalen Zusammenbruch“ des Steilhangs. Spätestens seitdem sich am gleichen Ort bereits 2006 ein kleinerer Erdrutsch ereignet habe, hätten Experten gewusst, dass es zu einer Tragödie kommen könne, sagte Miller weiter. Daher sei er auch schockiert gewesen, dass es weitere Baugenehmigungen gegeben habe.

Die Schlammlawine ist nach Angaben des Geologen Dave Norman mehr als 450 Meter lang. Es sei einer der größten Erdrutsche, die er je gesehen habe, erklärte der Wissenschaftler. Die Verwüstung bedeckt eine Fläche von mehr als 360 Fußballfeldern. Auch ein breiter Abschnitt einer Bundesstraße wurde von dem Geröll begraben. (mit dpa/rtr)

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