Schlammschlacht : Sarah Palin: "Feiglinge, Idioten"

Sarah Palin verliert die Nerven – und greift jetzt ihre Berater und Wahlhelfer an. Die hatten erzählt, dass Palin in einer Besprechung Afrika für ein Land hielt. Und Südafrika für den Süden dieses Landes.

Palin Campaigns In Iowa Day One Before Election
Sarah Palin schlägt zurück.Foto: Getty Images/AFP

 Washington - Die gescheiterte US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin hat ihre Kritiker in der Republikanischen Partei als „Feiglinge“ und ihre Wahlhelfer als „Idioten“ beschimpft. Sie trauten sich nicht selbst an die Öffentlichkeit und äußerten sich stattdessen über den Fernsehsender Fox, kritisierte die Gouverneurin von Alaska.

Der konservative Sender Fox hatte Kreise aus dem republikanischen Wahlkampfteam zitiert mit Kritik an dem umstrittenen Kauf von Kleidern für Palin im Wert von 150 000 Dollar. Außerdem hielten Berater Palin vor, dass sie in einer Besprechung der Auffassung gewesen sei, Afrika sei ein Land und Südafrika der Süden dieses Landes. Sie habe auch nicht die Mitgliedsländer der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) nennen können – das sind die USA mit Kanada und Mexiko.

Palin sagte laut AP, diese Vorwürfe seien nicht zutreffend. Sie könne sich erinnern, zur Vorbereitung der Fernsehdebatte der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten mit Beratern über Afrika und die Nafta gesprochen zu haben. Ihre Äußerungen seien aber aus dem Zusammenhang gerissen worden. „Das ist grausam, das ist gemein, das ist unreif“, sagte Palin. Außerdem sagte sie: „Und solche Leute sind Idioten.“

„Sie hat keine der wichtigen politischen Debatten der vergangenen zehn Jahre mitbekommen“, klagte ein McCain-Berater nach Informationen des Nachrichtensenders CNN. Und die Behauptungen über unfassbare Wissenslücken der Gouverneurin von Alaska verbreitete ausgerechnet Carl Cameron, Chefkorrespondent des stockkonservativen US-Senders Fox News. Camerons republikanische Quellen schilderten Palin als unzuverlässige „Diva“, eitel und beratungsresistent. Voller Schadenfreude präsentierte der linke Comedy-Starmoderator Jon Stewart die Bilder des ansonsten verlachten Fernsehsenders. Nun sei es ja endgültig bewiesen, meinte Stewart: „Palin ist dumm, dumm, dumm.“

Peinlichkeiten und Pannen hatten ihre Auftritte von Anfang an begleitet. Nachdem die streng konservative Palin sich in einem CBS-Interview mit stammelnden, unsicheren Antworten unerwartete Blößen gegeben hatte, wurde sie zur Zielscheibe aller populären Comedy-Shows. Palin drohte zuweilen zu einer Witzfigur zu verkommen. Als sich dann noch herausstellte, das Palin über 150 000 Dollar für Edelklamotten ausgegeben hatte, war auch ihr gepflegtes Image als bodenständige, volksnahe Frau und Mutter ruiniert. Die „New York Times“ berichtete, McCain-Mitarbeiter seien geschockt über Palins Kauf-Eskapaden gewesen.

Schließlich ließ sich die fünffache Mutter auch noch von einem kanadischen Komiker foppen, der sie erfolgreich in ein angebliches Telefongespräch mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy lockte. Er lud sie zur Robbenjagd ein, sie reagierte begeistert. Sie merkte selbst dann noch nichts, als er den Pornofilm „Nailin’ Paylin“ als gute Biografie von ihr lobte. Dieser Pornofilm hatte als Parodie zuvor großes Aufsehen erregt. Am Wahlabend stand sie eisern lächelnd auf der Bühne neben John McCain. Der konnte erst im letzten Moment verhindern, dass Palin eine Rede hielt. Bei ihr musste er mit allem rechnen. Tsp/dpa

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