Welt : Schlechte Aussichten für Wale

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Berlin - Eigentlich wäre die Jahrestagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC), die am Freitag auf den Antilleninseln St. Kitt und Nevis beginnt, ein Grund zu feiern. Vor genau 20 Jahren hat die IWC ein Walfangmoratorium beschlossen, um den großen Meeressäugern noch eine Überlebenschance zu geben. Doch ausgerechnet an diesem Jahrestag könnte die Mehrheit der Walschützernationen in der IWC kippen. Schon seit Jahren bemüht sich die Walfangnation Japan, kleine Entwicklungsländer wie St. Kitt und Nevis mit großzügigen Hilfszusagen zum Eintritt in die IWC zu bewegen, um dort mit Japan zu stimmen. In den vergangenen zwölf Monaten sind Kamerun, Gambia, Togo beigetreten, erst in den vergangenen Tagen sind Kambodscha und die Marschallinseln dazugekommen. Damit könnte das Stimmenverhältnis gekippt sein.

Zwar kann Japan mit einer einfachen Mehrheit das Moratorium nicht beenden. Dafür braucht es eine Drei-Viertel- Mehrheit. Doch Beschlüsse zu einem besseren Walschutz sind mit einem solchen Stimmenverhältnis von der IWC auch nicht mehr zu erwarten. Der Versuch, größere Meeresgebiete unter Schutz zu stellen, dürfte damit endgültig gescheitert sein. Wobei Japan selbst die bestehenden Walschutzgebiete nicht besonders ernst nimmt. Die meisten der 800 Mink-, 40 Finn- und 50 Buckelwale, die Japan für seinen so genannten wissenschafltichen Walfang töten will, jagt die japanische Fangflotte im Walschutzgebiet Antarktis. Der Grund: Im Gegensatz zu den im Nordpazifik oder Nordatlantik gejagten Walen sind die Fänge von der Südhalbkugel mit deutlich weniger Schwermetallen und anderen Giften verseucht.

Dabei nimmt der Absatz des Walfleischs nicht nur in Japan sondern auch in Norwegen und Island, den beiden weiteren Walfangnationen, die das Moratorium nicht anerkennen, weiter ab. Japan ist inzwischen dazu übergegangen, Kindertagesstätten mit Walfleisch zu versorgen, um zu verhindern, dass noch die letzten Märkte dafür wegbrechen.

Umweltschützer sind vor der IWC-Tagung auf jeden Fall alarmiert. Denn mit einer einfachen Mehrheit könnte Japan eine Aufhebung des Handelsverbots für Walfleisch nach den Regeln des Washingtoner Artenschutzabkommens durchsetzen, befürchtet Greenpeace. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS warnt davor, dass auch der Beobachterstatus von Nicht-Regierungsorganisationen wie den beiden Genannten und des World Wide Fund for Nature (WWF) in Gefahr seien. deh

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