Welt : Schlecker-Erpresser waren Serientäter

EHINGEN (dpa).Die Erpresser des Ehinger Drogeriefilialisten Anton Schlecker haben nach Ermittlungen der Polizei jahrzehntelang als Berufsverbrecher gelebt.Wie die Sonderkommission "Tresor" am Freitag mitteilte, verübten zwei der drei Verdächtigen seit 1975 in Baden-Württemberg 19 Raubüberfälle und Geiselnahmen und machten insgesamt etwa 18 Millionen Mark Beute.Ihre Verbrecherkarriere endete erst in diesem Sommer nach einem Überfall mit Geiselnahme auf den Direktor der Volksbank Ehingen am 7.Juli.

Nach dieser Tat mit einer Beute von 1,9 Millionen Mark waren ein 63jähriger Mannheimer, sein 56 Jahre alter Bruder aus Schorndorf und ein 59jähriger aus Bernkastel-Kues an der Mosel verhaftet worden.Sie wurden auch der Geiselnahmen und Erpressungen der Schlecker-Familie Weihnachten 1987 (Beute: 9,6 Millionen Mark) und des Göppinger Sparkassendirektors 1982 (Beute: 2,7 Millionen Mark) überführt.Der Mannheimer und der Bernkasteler legten eine Lebensbeichte ab.Sie belasteten dabei den Schorndorfer schwer, doch der bestreitet jede Beteiligung und schweigt eisern.Die Geständnisse der beiden Männer konnten inzwischen kriminaltechnisch bestätigt und gesichert werden.Zehn der Verbrechen, allesamt Banküberfälle, liegen allerdings mehr als 20 Jahre zurück und sind bereits verjährt.Nach der weitgehenden Klärung wurde die zeitweise über 50köpfige Soko "Tresor" aufgelöst.

Die 18 Millionen Mark verbrauchten die Verdächtigen nach ihren Angaben größtenteils für Immobilien, exklusive Wohnungen, Autos, ein Schiff und teuren Luxus, vor allem aber für Wertpapier- und Immobilienspekulationen.Dabei machten sie an der Warenterminebörse und bei dubiosen Auslandsgeschäften enorme Verluste.

Die drei lebten als Biedermänner völlig unbehelligt in bürgerlichen Verhältnissen, der 56jährige zurückgezogen in einem kleinen Ort bei Schorndorf, der Bernkasteler angesehen in einem winzigen Dorf.Daß sie reich und oft unterwegs waren, erregte keinen Verdacht.Dabei begingen sie reihenweise schwerste Verbrechen, monatelang vorbereitet und genau geplant.So sollen sie mit einem Sack Geld aus der Schlecker-Erpressung nach Paris gefahren sein und den Millionenbetrag in Franc getauscht haben.Zum Verhängnis wurde ihnen schließlich der Überfall in Ehingen auf den Bankchef quasi im Nachbargebäude des damaligen Schlecker-Hauses.

Die zwei Geständigen hatten sich nach ihrer Angabe 1972 in Belgien kennengelernt und kurz darauf ihre Verbrecherlaufbahn beschlossen.Bei ihren Taten waren sie fast immer maskiert und benutzten in der Regel gestohlene Fahrzeuge.Sie setzten Schußwaffen, meist Pistolen, ein.Neben den drei Erpressungen wurden die beiden Männer in Ulm wegen neun Überfälle und Geiselnahmen angeklagt.Unter einem Vorwand nahmen sie in Polizeiuniform 1987 in einer Bank in Winterbach im Rems-Murr-Kreis Angestellte als Geiseln.In Ludwigsburg stoppten sie 1981 mit einem Trick einen Geldtransporter - der Überfall dauerte 20 Sekunden.In Pforzheim überfielen sie 1981 eine Juweliersfamilie, fesselten sechs Personen und erbeuteten Schmuck und Bargeld im Wert von einer Million Mark.

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