Welt : Schlimmer als bisher gedacht

Aids breitet sich vor allem in Afrika aus / Weltweit 30 Millionen Menschen HIV-infiziert PARIS/BONN (dpa/AP).Die Immunschwäche Aids hat sich stärker ausgebreitet als bisher angenommen.Weltweit seien 30 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, teilte das UN-Aidsprogramm (Unaids) am Mittwoch in Paris mit.Das ist ein Drittel mehr als bisher vermutet wurde.Jeden Tag steckten sich 16 000 Menschen neu an."Die Aids-Epidemie ist nicht beendet", betonte der Exekutivdirektor von Unaids, Peter Piot, im Vorfeld des Welt-Aids-Tages am nächsten Montag."Sie ist viel schlimmer, als wir bisher gedacht haben." Vor allem in Afrika, aber auch in Asien breite sich Aids weiter aus.Besonders betroffen seien junge Menschen und Frauen. In Ost- und Mitteleuropa gebe es einen "dramatischen Anstieg" unter Drogenabhängigen.In den Industrieländern gehe die Epidemie dagegen zurück.In Westeuropa sei die Zahl der Neuerkrankungen in diesem Jahr vermutlich um etwa 30 Prozent unter den Stand von 1995 gefallen, als eine neue Behandlungsmethode einsetzte. Die Zahl der Menschen, die in diesem Jahr an Aids gestorben sind, schätzte das UN-Programm auf 2,3 Millionen.Dies wäre ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber 1996.Fast die Hälfte der Toten seien Frauen, 460 000 seien Kinder unter 15 Jahren, hieß es weiter. Piot forderte nachdrücklich, im Kampf gegen die Epidemie nicht nachzulassen."Wenn die Bemühungen um Vorbeugung heute verringert werden, wird man dies später teuer bezahlen." Er begrüßte einen Vorschlag des französischen Gesundheits-Staatssekretärs Bernard Kouchner, in den 15 Ländern der EU ein Programm "Therapeutische Solidarität" zu schaffen.Bei jeder Aids-Therapie solle dann ein kleinerer Betrag für eine Behandlung in einem Drittwelt-Land zur Verfügung gestellt werden. Die korrigierten Aussagen über das Ausmaß der Aids-Epidemie begründete Piot mit Beobachtungen vor allem in Afrika.Dort sei der Süden besonders stark betroffen. In Bonn rief das UN-Kinderhilfswerk Unicef zu Spenden für Kinder auf, die durch Aids in Not geraten sind.Weltweit gebe es bereits 8,2 Millionen Waisen, die durch Aids ihre Eltern verloren haben.Bis zur Jahrtausendwende könne diese Zahl auf das Doppelte steigen.Hinzu kämen immer mehr HIV-infizierte Kinder. (Das Spendenkonto für die Unicef-Aktion "Kinder und Aids": Konto 300 000 bei der Deutschen Bank Köln, BLZ 370 700 60, Stichwort "Aids").

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