Schlossgarten Schwetzingen : Im Reifrock Richtung Orient

Der Garten des Schwetzinger Schlosses hält hinter jeder Hecke Überraschungen bereit – und wäre fast Weltkulturerbe geworden.

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Zeitreise im Schlossgarten. Manchmal trifft man auf Barockvereine, die zu Veranstaltungen auftreten. Man kann aber auch historische Themenführungen buchen, etwa aus der Perspektive des Adels oder des Personals.
Zeitreise im Schlossgarten. Manchmal trifft man auf Barockvereine, die zu Veranstaltungen auftreten. Man kann aber auch...Foto: Rolf Brockschmidt

Die Damen schreiten mit leicht wippenden Reifröcken einher, fächern sich wegen der Hitze heftig Luft zu, und auch die Herren unter ihren Perücken bewegen sich nur gemessenen Schrittes mit ihren höfischen Kniebundhosen und hellen Strümpfen. Im Hof hinter dem Portal des Schwetzinger Schlosses empfängt man Besuch. Nicht etwa noble Freunde des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz, sondern Vertreter und Gäste einer Bank, die sich die Kulisse des prächtigen Schwetzinger Schlosses etwas kosten lässt – und damit Gutes für die wunderbaren Anlagen dieses einmaligen Gartens tut.

Spätestens mit dem Eintreffen der Gäste und angesichts der Touristen, die jetzt doch ihre Kameras zücken, ist die Illusion der Zeitreise ins spätbarocke Schwetzingen zerstört. Und dennoch: Wer die relativ enge Tordurchfahrt des mächtigen Baus durchschreitet, findet sich in einer anderen Welt wieder. Der Blick weitet sich auf eine beeindruckende Szenerie: Eine breite Lindenallee führt zu dem riesigen runden Arionbrunnen mit Fontäne. Der Weg wird gesäumt von Parterren à l’angloise; das sind buchsbaumgefasste Rasenstücke mit farbenfrohen Blumenrabatten an den Rändern.

Entdeckungsreise im Park
Blick auf die Hauptachse des Schwetzinger Schlossgartens mit dem ungewöhnlichen Kreisparterre und dem Arionbrunnen.Weitere Bilder anzeigen
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02.08.2013 12:21Blick auf die Hauptachse des Schwetzinger Schlossgartens mit dem ungewöhnlichen Kreisparterre und dem Arionbrunnen.

Der Rasen hat englische Qualität. In der Mitte der Parterren stehen wiederum ovale Brunnen. Der große Arionbrunnen auf der zentralen Achse akzentuiert das runde Parterre – eine Ausnahme in Europa – und wird gefasst von vier Broderiebeeten, die mit Ornamenten und Steinchen das runde Parterre betonen. Hier kreuzt eine weitere breit angelegte Allee mit gestutzten Bäumen und Obelisken den Weg. Den Abschluss bilden kunstvolle Arkaden: grüne hohe Bögen wie bei einem Aquädukt. Doch bei näherer Betrachtung sind auch dies Linden, die mit hohem Aufwand in Bogenform gebracht wurden.

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