Welt : Schluss mit Fish and Chips

Der Bestand an Kabeljau ist am Ende

Dagmar Dehmer

Das britische Nationalgericht, Fish and Chips, ist in Gefahr. Auch in der Nordsee ist der Kabeljau-Bestand zusammengebrochen. Am Freitag hat der Wissenschaftliche Rat zur Erforschung der Meere (Ices) den europäischen Fischerei-Ministern empfohlen, ein Fangverbot für die gefährdete Art auszusprechen. Der Kabeljau war jahrhundertelang der Fisch, den die Briten in heißes Öl warfen, um ihn mit gebackenen Kartoffelstücken, Salz und Essig zu genießen.

Im Nordatlantik gilt schon seit 1992 ein Fangverbot für den Kabeljau. Denn die moderne Schleppnetzfischerei, bei der die Fangflotten den Meeresboden regelrecht umpflügen und alles, was lebt, aus dem Wasser ziehen, hat den Fischbeständen weltweit zugesetzt. Die Nordsee ist keine Ausnahme. Mit dem so genannten Grünbuch zur Fischereipolitik hat EU-Agrarkommissar Franz Fischler im vergangenen Jahr auf das Problem reagiert. Darin schlägt er vor, die überdimensionierte und hoch subventionierte europäische Fangflotte drastisch zu verkleinern und Fangverbote auszusprechen.

Mit Schutzzonen und Schutzzeiten hat die europäische Fischerei bereits gute Erfahrungen gemacht. Als vor ein paar Jahren der Hering akut vom Aussterben bedroht war, hat ihn ein zweijähriges Fangverbot gerettet. Danach haben die europäischen Fischer mehr Hering gefangen als in den ganzen Jahren zuvor. Allerdings könnte ein solches Fangverbot für den Kabeljau trotzdem zu spät kommen. Denn rund um Neufundland vor der Küste Kanadas gilt das Fangverbot für den Kabeljau seit nunmehr zehn Jahren. Und noch immer haben sich die Bestände nicht erholt. Der Grund: Der Kabeljau muss mindestens fünf Jahre überleben dürfen, bevor er aus dem Wasser gezogen wird, damit er geschlechtsreif werden und sich fortpflanzen kann. Die meisten Fische schaffen das nicht. Denn trotz Fangverbot wird immer noch Kabeljau gefangen – als unerwünschter Beifang in Schleppnetzen.

Seit mehr als zwei Jahren warnen Wissenschaftler und Umweltschützer in Europa vor einer Wiederholung des Dramas in der Nordsee. Doch vor allem Spanien weigert sich konsequent, seine Fangflotte zu verkleinern und sich dafür mit ihren Fischern anzulegen. „Seit mehr als einem Jahr wird über die Rettung des Kabeljaus diskutiert, aber passiert ist nichts“, kritisiert Heike Vesper, Fischereireferentin des WWF. Sie verlangt, dass die jährliche Aushandlung neuer Fangquoten eingestellt wird. Schließlich gibt es nichts mehr zu fangen.

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