Welt : Schluss mit Schätzchen

Eva Meschede

Die Frau sieht gut aus an diesem Tag: Glänzende Gold-Pailletten auf dem engen Kleid betonen ihre perfekte Figur, schmale Taille, straffer Bauch, gerade Schultern, Model-Maße. Weiße Zähne strahlen zu dunklem Teint, warme braune Augen lächeln in die Kameras. Der Mann an ihrer Seite scheint um einiges älter: Er bewegt sich in seinem Smoking schon in einer leicht gebeugten Seniorenhaltung, das Leben hat sein Gesicht mit markanten Falten gefurcht, die Ausdruckskraft der Augen verwässert. Die schmalen strengen Lippen hat er zu einem verschmitzten Lächeln verzogen, sein dünnes Grauhaar ist über hoher Stirn sorgfältig zurückfrisiert. Schützend legt er seiner Frau die Hand um die Hüfte. Ein perfektes Bild eines Vorzeige-Ehepaares bei der Bambi-Verleihung November letzten Jahres in Berlin. Einer der letzten glitzernden Auftritte von Uschi Glas (57) mit ihrem Mann Bernd Tewaag (57). Am Samstag erschienen im Blättchen "das neue" wackelige Fotos des grauen Wolfes Tewaag mit einer blonden Anke. Die 30-Jährige verkauft Würstl und Leberkäs am Münchner Marienplatz, wurde zur Kenntnis gebracht. Seit dem Wochenende hat Deutschland damit ein Muster-Paar weniger.

Armes Land, wie viele gute Ehen bleiben Dir nun eigentlich noch? Aber wer wollte hier noch einen Cent wetten auf irgendeine Beziehung, sei sie nach außen noch so vorbildlich verkauft? Nein, längst pflegt das Publikum gesundes Misstrauen. Nur eine hat diese Zweifel scheinbar nicht gehabt: Uschi Glas.

Vor Zorn geschwollen

Obwohl es angeblich Warnungen von Freunden gab und Anfragen von Zeitungen. Auch hat sie nach 20 Jahren Ehe und 28 Jahren Partnerschaft dem Mann nichts angemerkt. Der sagt sogar, seine Frau schon vor drei Monaten darüber aufgeklärt zu haben, dass er eine Andere hat. "Mein Mann lügt", diktierte sie "Bild" in die Schlagzeile.

Uschi Glas will nichts geahnt haben. Kein Misstrauen gegen ihren Bernie, den sie nie betrogen hat, beteuert sie. Das ist das Erstaunliche an der Geschichte vom Ende der Ehe zwischen der Münchner Schauspielerin und dem Fernsehproduzenten: nicht die Bilder, auf denen ein fast doppelt so alter Mann mit seiner jungen Geliebten an einem Ausflugsweiher durchs Schilf hüpft, sondern die Reaktionen der betrogenen Ehefrau. Sie hat kurz mit ihrem Mann geredet, dann ausführlich mit Münchner Journalisten. Das geht so jedenfalls aus den vielen Interviews hervor, mit denen Uschi Glas die Schlammschlacht zwischen den ehemals Liebenden eröffnete.

Seit dem Wochenende ist die Münchner City damit gepflastert, an jedem Kiosk oder stummen Verkäufer Fotos und Storys über das traurige Schicksal von Uschi Glas. Die Szenen einer Ehe haben sogar Olympisches Gold verdrängt. Allen drei Münchner Boulevard-Zeitungen musste die Geschichte ob der Auskunftsfreude der Gehörnten eine fette Schlagzeile über Bruch wert sein. "So hat mein Mann mich betrogen" in "Bild", "Uschi Glas. Es ist aus" in der "TZ", und: "Ich will die Scheidung!" in der "Abendzeitung". "Diesen Vertrauensmissbrauch verzeihe ich meinem Mann niemals", sagt sie unter anderem zur "Abendzeitung", wahrscheinlich sind ihr die Adern dabei vor Zorn geschwollen, wie eine Journalistin vor Jahren an der Wütenden beobachtete. Und geweint haben soll sie auch am Telefon. An den nächsten Tagen geht es weiter, nun spricht der Mann, andere Journalisten sind der Geliebten auf der Spur.

Sicher ist es scheußlich, von der Affäre des Partners aus einer Zeitschrift zu erfahren. Doch was mag Frau Glas getrieben haben, sich anschließend sofort der hungrigen Schlagzeilen-Meute selbst zum Fraß vorzuwerfen? Warum tut sie sich das an? Warum beendet sie eine Jahrzehnte dauernde Ehe, die sie immer hoch gelobt hatte, innerhalb eines Wochenendes wie mit dem Schnellfeuergewehr? Warum hat Frau Glas nicht geschwiegen und nachgedacht? Warum nicht vielleicht wie Frau Beckenbauer oder Frau Blanco oder Frau Hitzfeld großzügig verziehen?

Uschi Glas neigt, wie sie selbst zugibt, zu zorngeblähten Reaktionen. Für harte, bodenständige Worte war sie schon immer zu haben. So zum Beispiel, als ihr ältester Sohn wegen eines Motorradunfalls in die Presse geriet, oder als vor ein paar Jahren bei Sat1 Fred Kogel ihre TV-Erfolgsserie "Anna Maria - eine Frau geht ihren Weg" auf einen schlechteren Sendeplatz legte. "Menschenverachtung", polterte sie damals.

Erst vor wenigen Tagen sagte sie Knall auf Fall die Dreharbeiten zur ARD-Reihe "Klinik unter Palmen" ab. "Sie vertritt halt bei ihren Vorstellungen von einer Rolle eine harte und kompromisslose Linie", sagte ein Sprecher der Produktionsfirma. Anders als die vielen anderen betrogenen Frauen kann sie es sich leisten, auch privat hart und kompromisslos zu sein. Denn sie ist "Uschi nationale", wie die "Bunte" einmal schmeichelnd titelte, wohl weil sie der Freund und Verleger Hubert Burda mit diesem Namen kost. Damals hatte eine Forsa-Umfrage ergeben, dass 55 Prozent der Deutschen unter 30 sich diese Frau als Mutter wünschen, 40 Prozent aller Frauen hätten sie gerne als Freundin. Sie putzt, wäscht, bügelt, erzieht drei Kinder, liebt ihren Mann, ist treu, schauspielert im Fernsehen, schreibt Drehbücher, das mag man an ihr. Sie sei so patent, furchtbar stark und unglaublich nett, wie die Frauen, die sie in ihren berühmten Serien spielt, Anna Maria oder die Lehrerin Sylvia.

Sie ist mehr als ein Münchner Lokalstar und sie ist schon gar nicht die Frau an seiner Seite, sondern umgekehrt: Tewaag ist der Mann von der Glaserin, so heißt das auf bayerisch. Was ist Frau Beckenbauer ohne den Kaiser? Genauso viel, wie Herr Tewaag ohne Uschi Glas.

Vielleicht wird man sie auch als Betrogene sehen, diese Rolle hat kein schlechtes Identifikationspotenzial: Der Mann von Uschi nationale hat eine Jüngere, und sie lässt sich das nicht gefallen. Rache schreiend fliegen ihr die gebrochenen Herzen dieses Landes zu, und das sind nicht wenige. Das passt besser zu ihrem Image, als einem seitenspringenden Ehemann zu verzeihen.

Bei Frau Glas geht es nicht zu wie bei Hempels unterm Sofa. Sie führt entweder eine Muster-Ehe oder keine. Sie hat sich ihr Ansehen mit eiserner Disziplin erarbeitet, das betont sie immer wieder in ihren Interviews. Gerne erzählt sie, dass sie "unheimlich ehrgeizig" ist, weil sie aus einem "sehr armen Elternhaus" komme. Ihre Mutter hatte nie eigenes Geld. "Ich wollte immer selbstständig sein."

Seit 1967 ist sie ein Star, seit Peter Schamonis Klamotte "Zur Sache, Schätzchen". Und sie ist stolz darauf, in ihrer ganzen Karriere nie eine richtige Nacktszene gedreht zu haben. Eine eigene Meinung habe sie sich auch immer geleistet. Oft hat sie hervorgehoben, dass sie damals nicht Willy Brandt im Wahlkampf unterstützt hat. Für diese unpopuläre Haltung sei sie auch mal ausgebuht worden. Als sie Jahre später dem Ex-Kanzler Kohl mit 10 000 Mark zur Wiedergutmachung der Spendenaffäre half, gab es sogar Drohbriefe. Es klingt Stolz an, wenn sie dies in Interviews preis gibt. "Unsere schönsten Jahre", "Tierärztin Christina", "Ein Schloss am Wörthersee", "Der Landarzt" - es gibt kaum eine deutsche Schauspielerin, die über so viele Jahre hinweg immer wieder erfolgreich für die breite Masse Fernsehen gemacht hat.

Nicht wie andere Frauen

Uschi Glas hat geschuftet. Beruf und Familie, da brauche sie ihren Frieden, hat sie gesagt. Dass zuhause auch mal die Fetzen flogen, daraus hat sie nie einen Hehl gemacht, nichts Ernstes - alles ganz normal bei der Glaserin, so schien es immer. Man weiß, dass sie in ihrem noblen Vorort Grünwald den Rasen eigenhändig gemäht, abends Essen für fünf Personen gekocht hat. Ihre Auftritte bei gesellschaftlichen Ereignissen waren wohl dosiert, "Adabei", wie in Bayern die üblichen Verdächtigen bei Partys genannt werden, konnte man sie nicht schimpfen. Gerne erschien sie mit Mann oder zuletzt öfter mit der wohl geratenen, hübschen 15-jährigen Tochter Julia. Die glückliche Karrierefrau, Mutter, Ehefrau war ein Vorbild - vor allem für Frauen.

Diese hart erarbeitete Lieblingsrolle will sie behalten, sonst wäre sie wie die anderen, die Beckenbauers, Blancos, Wussows. Deshalb ist es auch egal, ob sie gewusst hat, dass ihr Mann fremd ging. Der eigentliche Vertrauensbruch entstand erst, als er sich erwischen ließ, die Geschichte damit öffentlich machte, das Bild von der glücklichen Familienfrau Uschi Glas zerstörte. Das war die Überraschung, das trieb Frau Glas zum Wutausbruch. Nun wird man sehen, wie viel von den vermeintlich schönen Jahren am Ende des Pressekriegs noch übrig bleiben.

Wie ermüdend streng Uschi Glas an Uschi Glas arbeiten musste, um sich als Idealbild zu erhalten, das schimmerte nur manchmal durch. Vor zwei Jahren erzählte sie in einem Tagesspiegel-Interview von ihrem Alltag, der um 6 Uhr 30 damit beginnt, dass sie mit der Wurzelbürste gegen den Feind Zellulitis anschrubbt, Fitness treibt und sich bis zum Abend fast ausschließlich von schwarzem Kaffee und Ananas ernährt. Die Figur, mit der sie auftritt, ist eigentlich nicht ihre. Sie wäre normal wahrscheinlich etwas dicker, gibt sie zu. Dass sie die Taille und Beine einer 30-Jährigen hat, verdankt sie nur härtester Disziplin gegen sich selbst. "Als wenn ich alles geschenkt kriege", ist einer ihrer Lieblingssprüche. Nein, sie hat nichts geschenkt bekommen. Und nun kommt eine leibhaftige 30-Jährige daher und der Vorzeigeehemann läßt sich gehen. Schert aus, verlässt das Bild. Sie hat es nicht mehr unter Kontrolle. Das tut weh, so heftig, dass auch Uschi Glas sich nicht mehr im Griff hat.

Eine Affäre sei kein Totalschaden für eine so lange Beziehung wie die von Glas und Tewaag, höchstens ein Blechschaden, hat eine Psychologin den Eheunfall analysiert. Blechschaden - das ist für Uschi Glas eine zu harmlose Beschreibung. Uschi Glas ist schwer verletzt - und steuert die Ehekutsche zielsicher an die Wand.

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