Welt : Schmugglerkönig muss lebenslang in Haft

Lai Changxing schmuggelte Autos und Zigaretten für Milliarden Euro / Todesstrafe bleibt ihm erspart.

Peking - In China ist der als „Schmugglerkönig“ bekannte Lai Changxing zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in der Hafenstadt Xiamen, von wo aus Lai sein kriminelles Geschäft bis Ende der 1990er Jahre betrieben hatte, verurteilte ihn am Freitag wegen Schmuggels und Bestechung. Das berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Lai war nach zwölf Jahren in Kanada gegen das Versprechen ausgeliefert worden, dass er nicht hingerichtet würde.

Nach Angaben des Gerichts schmuggelte Lais weitläufiges Netzwerk Luxusautos, Zigaretten und andere Produkte im Gesamtwert von 27,4 Milliarden Yuan (3,37 Milliarden Euro) in die Provinz Fujian. Es brachte den Staat um 14 Milliarden Yuan Steuergelder. Um seine illegalen Geschäfte ausführen zu können, bestach Lai Dutzende Beamte und Politiker mit insgesamt 39,1 Millionen Yuan. Die Aufdeckung des Netzwerks löste Ende der 1990er Jahre einen riesigen Skandal aus.

Als sein Schmugglerring aufflog, floh Lai nach Kanada, wo er im November 2000 festgenommen wurde. Es folgte ein jahrelanger Streit um seine Auslieferung, in dem Kanada schließlich von China das Versprechen erwirkte, ihn nicht hinzurichten. Lai wurde daraufhin im vergangenen Juli ausgeliefert. Kurz vor Lais Festnahme waren 14 Mitverantwortliche zum Tod verurteilt worden.

Gemäß der Abmachung mit Kanada blieb Lai die Todesstrafe erspart. Nach Angaben von Xinhua wurde Lai stattdessen wegen Schmuggels zu lebenslanger Haft und dem Verlust seines Vermögens verurteilt. In einem getrennten Urteil erhielt er noch einmal 15 Jahre Gefängnis wegen Bestechung. „Die Summen, um die es geht, sind so ungewöhnlich hoch und die Details so außerordentlich ernst, dass sie die doppelte Strafe rechtfertigen“, erklärte das Gericht laut Xinhua.

In die kriminellen Machenschaften Lais waren auch hunderte ranghohe Militärs und Politiker verwickelt, unter ihnen der ehemalige Vizeminister für öffentliche Sicherheit, Li Jizhou, und der frühere Chef des militärischen Geheimdiensts, Ji Shengde. Medienberichten zufolge soll Lai Dutzende örtliche Beamte und Politiker in seinem luxuriösen Privatclub „Rotes Haus“ unterhalten haben.

Während Lai von den offiziellen Medien verdammt wurde, galt er manchen einfachen Bürgern als ein moderner Robin Hood. So soll er die Gemeinden in der Umgebung von Xiamen, wo er selbst in Armut aufwuchs, mit großen Geldsummen bedacht haben. Internetnutzer rühmten ihn am Freitag für seine Wohltaten. Ein Außenamtssprecher in Peking sagte, der Prozess zeige Chinas „Entschlossenheit im Kampf gegen Kriminalität und Korruption“.AFP

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