Welt : Schnäppchenjäger sind die Hauptopfer der Computermafia

Wer seinen PC im Fachhandel kauft, ist besser geschützt Hamburg (dpa).Zahllose Computerkäufer in Deutschland, die sich in den vergangenen Monaten einen neuen PC angeschafft haben, sind Opfer der betrügerischen Computermafia geworden.Genaue Zahlen können zwar derzeit nicht genannt werden, doch die von den offiziellen Stellen in Spiel gebrachte Schadensumme "in dreistelliger Millionenhöhe" läßt Schlimmes befürchten.In harmlosen Fällen haben frischgebackene PC-Besitzer nicht den schnellen Chip im Rechner, den sie eigentlich bezahlt haben.Das wäre dann etwa so, als bekäme ein Autokäufer statt eines "Sechszylinders" nur einen "Vierzylinder". Im schlimmsten Fall wird ein umetikettierter Pentium-Prozessor von Intel, der mit einer höheren Taktfrequenz gequält wird, nach einiger Zeit den Geist aufgeben und "abrauchen", wie die Experten sagen.Doch welche Möglichkeiten haben Kunden überhaupt, um sich gegen gefälschte Computerteile zu schützen? Ein Laie ist nicht in der Lage, einen verfälschten oder umetikettierten Pentium-Chip von dem Intel-Original-Produkt zu unterscheiden."Der Verbraucher hat da einfach keine Chance", sagt selbst Intel-Sprecher Heiner Genzken.Sein Rat an alle Verbraucher: "Kaufen Sie PCs nur im autorisierten Fachhandel und entscheiden Sie sich für eine bekannte Marke." Fälschungen seien in diesem Umfeld bislang noch nie aufgetaucht.Wer aber ein Schnäppchen suche und einen No-Name-PC bei einem dubiosen Versandhandel bestelle oder in einer kleinen Klitsche zusammenschrauben lasse, gehe ganz bewußt ein gewisses Risiko ein."Wenn Sie eine echte Rolex kaufen wollen, gehen Sie doch auch in ein ordentliches Fachgeschäft, und kaufen die Uhr nicht von einem Unbekannten auf der Reeperbahn", meinte Genzken. Die großen Markenhersteller von Siemens-Nixdorf über Compaq bis hin zu Dell und Vobis beziehen ihre Mikroprozessoren alle direkt von Intel und schützen sich somit vor dubioser Ware.Einige Intel-Kunden verkaufen jedoch einen Teil dieser Chips wieder, wenn sie sich etwa im Bedarf verkalkuliert und zu viele Prozessoren geordert haben.Da der Chip-Hersteller selbst die überschüssigen Prozessoren nicht zurücknimmt, wird durch diese Chip-Verkäufe ein Spotmarkt geschaffen, auf dem manche Händler bei Bedarf einkaufen.Auf diesem Graumarkt tauchten nun die gefälschten Prozessoren auf.

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