Schneemassen : Dramatische Lage in Krisengebieten

Chaos auf den Straßen und einstürzende Dächer: Mindestens fünf Menschen kamen an den vergangenen beiden Tagen in dem Winterchaos ums Leben.

Passau - Das Schneedrama in den bayerischen Krisengebieten hat sich am Freitag noch verschärft. Tausende Helfer, darunter immer mehr Bundeswehrsoldaten, räumten den teilweise meterhoch liegenden Schnee von einsturzgefährdeten Dächern. Einziger Lichtblick: für das Wochenende sagen die Meteorologen eine allmähliche Wetterberuhigung und ein Ende der Schneefälle voraus.

In einzelnen Regionen Bayerns bereiteten sich am Freitag die Katastrophenstäbe auf eine umfangreiche Evakuierung von Wohnhäusern vor, einige Gebäude mussten bereits geräumt werden. Die Schneelasten auf den Dächern hatten vielerorts die Belastungsgrenze weit überschritten. In sechs Landkreisen Ostbayerns bestand Katastrophenalarm.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigte am Freitagabend an, dass er sich am Samstag in den Landkreisen Deggendorf und Regen über die Arbeit der mehr als 5000 Einsatzkräfte informieren wolle. «Es ist beeindruckend, wie ganze Regionen zusammenstehen und tausende Helfer bis zur Erschöpfung gegen die Schneemassen ankämpfen», sagte der CSU-Vorsitzende. Auch im südlichen Oberbayern und dem Allgäu werde es prekär, sagte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU), der am Samstag gemeinsam mit Stoiber in die Krisenregion fahren wollte.

Am Freitag fiel in manchen Gegenden Bayerns bis zu einem halben Meter Neuschnee, im Lauf des Tages ließen die Niederschläge allerdings leicht nach. Am Samstag sollen nach Ankündigung von Meteorologen die Schneefälle in Ostbayern ganz aufhören. Die Krisenstäbe rechneten dennoch damit, dass noch mehrere Tage lang von den Dächern die bis zu 1,80 Meter hohen Schneeschichten mühsam herunter geschaufelt werden müssen. Der Freitag sei für die Helfer der bisher schwierigste Tag gewesen, sagte Passaus Landrat Hanns Dorfner.

Evakuierungen vorbereitet

Im niederbayerischen Landkreis Regen bereiteten die Katastrophenhelfer die Evakuierung von Wohnhäusern vor. Vor allem in Zwiesel, Frauenau und Bodenmais, aber auch in der Stadt Regen seien immer mehr Gebäude einsturzgefährdet, sagte ein Landkreissprecher. «Die Sicherheit der Menschen geht vor.» In Zwiesel stürzte eine Glaslagerhalle unter der Schneelast ein. Es entstand Sachschaden.

Auch in den anderen fünf Landkreisen mit Katastrophenalarm war die Situation nach unaufhörlichem Schneefall angespannt. Auf der Autobahn 93 bei Kelheim starben zwei Männer, als ein Lastwagen ins Schleudern geriet, die Mittelleitplanke durchbrach und mit ihrem Auto kollidierte. Allein in Schwaben gab es innerhalb von 24 Stunden fast 200 Unfälle. Bei Ehingen nahe Augsburg wurden eine Frau, in Lindau am Bodensee ein Mann getötet. Etwa 40 Menschen wurden verletzt.

Tote und Verletzte bei Unfällen

Im oberbayerischen Traunstein kam ein Feuerwehrmann beim Räumen eines Hallendachs ums Leben. Der 27-Jährige stürzte durch ein Dachfenster aus Plexiglas 15 Meter in die Tiefe. Zwischen Warngau und Holzkirchen entgleiste am Freitagmittag ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Als Ursache gelten Schneeverwehungen. Verletzt wurde niemand.

Bei zwei Schulbusunfällen auf schneeglatten Straßen wurden in Bayern insgesamt mehr als 30 Menschen verletzt. Beim Zusammenstoß eines Schulbusses mit einem Werksbus in Sandelzhausen in Niederbayern wurden nach Angaben der Polizei beide Fahrer und ein Kind schwer verletzt. 18 bis 21 weitere Fahrgäste erlitten leichtere Verletzungen. Nahe Weidenberg im Landkreis Bayreuth wurden bei einem Schulbusunfall zehn Kinder ebenfalls leicht verletzt. Das Fahrzeug war ins Schleudern geraten und gegen einen Baum geprallt.

Auch in mehreren anderen Bundesländern bereitete starker Schneefall Probleme. In Teilen Hessens gab es dutzende Unfälle, die aber laut Polizei meist glimpflich endeten. Bei Willingen blieb ein Zug im Schnee stecken. In Baden-Württemberg führten die Schneefälle zu Verspätungen auf dem Stuttgarter Flughafen. Aus dem nordrhein-westfälischen Sauerland berichtete die Polizei von 200 Unfällen.

In Oberösterreich waren einzelne Ortschaften von der Umwelt abgeschnitten, alle Flachdächer galten nach Behördenangaben als einsturzgefährdet. Für die Skigebiete in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol und in der nördlichen Steiermark wurde Lawinenwarnstufe drei bis vier auf der fünfteiligen Skala ausgegeben. Die Lawinengefahr wird über das gesamte Wochenende andauern, warnten die Behörden. Auf den Straßen Österreichs rechnen die Experten am Wochenende mit erheblichen Staus. Grund ist neben dem Wetter der Ferienwechsel in einigen Bundesländern. (tso/dpa)

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