Welt : Schnellkurs für Schüchterne

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Von Sven Appel

Ach, Reden müsste man können! Diesen Wunsch hegen nicht nur schüchterne Zeitgenossen. Wer kennt nicht jenes peinliche Schweigen, wenn sich am Beginn einer Party wildfremde Menschen gegenüberstehen? Es fehlt die Idee für einen Einstieg ins unverbindliche Gespräch. Da langweilen sich manche lieber ein wenig, statt sich die Blöße zu geben. Dabei ist Smalltalk keineswegs nur etwas für Dauerredner. Jeder kann die Kunst des Redens um des Redens willens lernen. Für Schüchterne kennen Frank Naumann, Kommunikationswissenschaftler und Autor aus Berlin, und Elisabeth Bonneau, Etikette-Expertin und Fachbuchautorin aus Baden-Baden, ein paar Tricks.

Zunächst: Um Kontakt aufnehmen zu können, ist die Körperhaltung wichtig. Wer sich auf einer Party mit seinem Glas Wein in eine Ecke verdrücke, werde kaum ins Gespräch kommen, sagt Elisabeth Bonneau. Man sollte daher mit gerader Körperhaltung den Raum durchschreiten und dabei mit einem Lächeln auf die anderen Gäste zugehen. „Ich kann meinem Nebenmann auf der Party aber auch einfach sagen, dass ich schüchtern bin.“ Oder: „Man bittet den Gastgeber, die Gäste einander vorzustellen.“

Das Thema für den Gesprächseinstieg sollte eine Gemeinsamkeit sein, meinen die Smalltalk-Experten: „Trinken beide Rotwein, kann das ein Anknüpfungspunkt sein“, sagt Elisabeth Bonneau. Auch sollte man offene Fragen stellen, zum Beispiel: „Woher kennst du den Gastgeber?“. Wer dagegen wissen will, ob der andere den Gastgeber gut kennt, muss mit einen schlichten „Ja“ als Antwort rechnen und damit mit einem Stocken des Gesprächs. Wichtig ist es, aktiv zuzuhören und Fragen zu stellen. Allerdings dürfe das Ganze nicht in ein Verhör ausarten.

„Man sollte auch von sich erzählen“, empfiehlt Elisabeth Bonneau. Schließlich wolle der andere auch wissen, mit wem er da spricht. Damit das nicht in einen langweiligen Monolog mündet, sei es ratsam, regelmäßig eine Pause beim Erzählen einzulegen. „Außerdem ist es schlicht unhöflich, die ganze Zeit selbst zu reden“, sagt Bonneau. Genauso, wie den Gesprächspartner zu unterbrechen. Zudem muss das Interesse ehrlich sein. „Wer sich verstellt, wird schnell entlarvt“, warnt Elisabeth Böhm.

Auch der Ton spielt beim Smalltalk eine wichtige Rolle. „Auf keinen Fall sollte man belehrend sein“, mahnt Bonneau. Sprüche wie: „Ach, du weißt nicht, dass das ein südafrikanischer Rotwein ist?“ sind völlig unangebracht. Auch wer im Brustton der Überzeugung dauernd von sich selbst erzählt, macht beim Smalltalk keine gute Figur: „Angeber sind nicht gefragt“, sagt Elisabeth Böhm.

Ganz wichtig: die Auswahl der Themen. Zu den harmloseren gehören Hobbys, Beruf, Familie, Haustiere oder der letzte Urlaub. „Tabu sind hingegen alle Themen, über die man schnell in Streit geraten könnte“, erklärt Frank Naumann. Dazu gehören zum Beispiel Politik und Religion. Auch nicht gut: Gespräche über Sexualität und Schwangerschaft. „Das wird schnell peinlich.“

Unangenehm kann es auch werden, wenn dem anderen aus Unwissenheit keine Antwort einfällt – oder nur eine, die seine Unkenntnis entlarvt. „Wissen ist auch für Smalltalker wichtig“, sagt Elisabeth Bonneau. Wer etwa auf den leckeren Roten aus Chile angesprochen wird, und nicht weiß, dass auch in Südamerika Wein wächst, komme nicht gut weg. Um für eine Bandbreite an Themen gerüstet zu sein, raten die Experten, regelmäßig das Feuilleton und die Beilagenseiten der Tageszeitungen zu lesen. (dpa)

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