Schönheits-OP’s : Ganz schön gefährlich

Die Regierung erwägt ein Gesetz gegen Schönheits-OP’s bei Jugendlichen. Mediziner sind dagegen.

Liva Haensel
tattoo Foto: vario images
Dürfen Politiker schlechten Geschmack verbieten? Jetzt reden sie schon über Piercings und Tattoos. -Foto: vario images

Was versteht man eigentlich unter Schönheits-Operationen und ab wann ist ein Eingriff notwendig? Nicht nur diese Frage beschäftigte die CDU- und SPD-Fraktionen bei der gestrigen Anhörung von Fachärzteverbänden im Reichstag. Doch die Frage, wann bei einem jugendlichen Patienten beispielsweise das Ohrenanlegen oder eine Brustkorrektur sinnvoll sind, führte zu kontroversen Debatten. Schönheitsoperationen werden immer mehr zu einem Thema, weil Prominente – wie beispielsweise Charity-Lady Ute Ohoven und vor allem ihre Tochter Chiara – mit ihrem wechselnden Aussehen Aufsehen erregen.

Die Bundesregierung will möglicherweise bei sogenannten ästhetischen Eingriffen bei Jugendlichen unter 18 Jahren mit einem neuen Gesetz eingreifen. Nach Schätzungen der ästhetisch-plastischen Chirurgen lassen sich in Deutschland zwischen 300 000 und 400 000 Minderjährige operieren – „wenig“, wie der Präsident der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie, Heinz Bull, sagte. Bei der Anhörung wurde vor allem deutlich, dass die Grenze zwischen medizinisch notwendigen Eingriffen und solchen, die lediglich „wunscherfüllende Medizin“ seien, nicht klar abzugrenzen sei. Jugendliche würden unter narbenentstellten Gesichtern leiden, die man mit einer OP rasch beheben könne. Diese sei dann rein ästhetischer Natur, aber der Patient fühle sich danach besser, meinte Constance Neuhann-Lorenz von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Solle man solche OP’s also verbieten? In der Antwort waren sich alle Mediziner einig: Nein, lautete die Antwort einstimmig.

So forderte die Vorsitzende der Verbraucherzentrale, Susanne Mauersberg, die Ärzte auf, in Zukunft ein Aufklärungsgespräch einer unabhängigen Stelle mit dem Patienten zu führen und erst nach sechs Wochen die OP folgen zu lassen. Damit solle sich der Patient selbst umfassend informieren können und Zeit zum Nachdenken haben; zudem werden damit die finanziellen Interessen der Ärzte eingeschränkt. Die fachärztlichen Weiterbildungen seien zwar durchgängig geregelt – dennoch gebe es Kollegen in Deutschland, die sich im Graufeld befänden und sich einfach als plastische Chirurgen ausgäben. SPD-Expertin Carola Reimann forderte, dass solche Eingriffe künftig nur mit „sichtbarer Qualifikation“ durchgeführt werden dürfen.

Ein weiter Punkt in der Diskussion betraf vor allem die negativen Folgen von Schönheits-OP’s, zu denen mehrere Juristen Stellung nahmen. Da Ärzte bisher keine bindende Haftpflichtversicherung abschließen müssen, stünden Opfer von verfuschten Eingriffen später vor Gericht meist chancenlos da, mokierte Rechtsanwalt Matthias Teichner.

Der Gesetzesantrag verlangt folglich, dass Ärzte in Zukunft ausreichend gegen mögliche Geldforderungen von Geschädigten versichert sein müssen. Doch bis es soweit kommt, sei etwas ganz anderes auschlaggebend, sagte Marita Eisenmann-Klein von der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen: „Wir müssen das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen stärken. Wenn das passiert ist, sind auch Schönheits-OP’s nicht mehr notwendig.“ Der Kinder- und Jugendärzte-Verband verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Gefahr von Piercings und Tattoos: ein Verbot unter 18 Jahren sei ebenfalls sinnvoll.

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