Welt : Schröders Kusinen: Was zusammengehört

Katrin Wiesner

Nein, jemand Berühmtes, dessen Name auch über Lauchröden hinaus einen Ruf hat, den hat es in der Familie bislang nicht gegeben. "Und jetzt ist es gleich der Bundeskanzler". Heidelinde Munkewitz lacht. Ihr eigener Name und der ihrer Schwester Inge Siegel hatte es auch in letzter Zeit zu einiger Bekanntheit gebracht. Der momentane Presserummel ist so groß geworden, dass ihr Mann Rolf jetzt erst einmal den Manager mimt.

Es war eine Familienzusammenführung der besonderen Art, die Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Kusinen Inge Siegel und Heidelinde Munkewitz am Mittwoch in Gera erlebten. Bis vor wenigen Wochen wussten der Kanzler und die beiden ostdeutschen Frauen noch nicht, dass sie miteinander verwandt sind. Nach dem ersten Treffen traten die drei auf, als würden sie sich seit Jahren kennen. Keine Spur von Berührungsängsten der Thüringerinnen mit ihrem prominenten Kusin. "Es war fantastisch, toll", jubelten die beiden Frauen nach einem zweistündigen Essen mit dem Kanzler. "Es war, als hätten wir uns schon lange gekannt", sagte Inge Siegel.

Erst vor wenigen Wochen hatte Schröders Schwester Gunhild Kamp-Schröder herausgefunden, dass es die beiden ostdeutschen Kusinen gibt. Bei der Suche nach dem Grab ihres im Krieg in Rumänien gefallenen Vaters Fritz stieß sie auf Papiere, die die Existenz eines Bruders des Vaters belegten. Bei weiteren Nachforschungen stieß sie in Eisenach auf die beiden Töchter ihres Onkels. Schröder nutzte nun ein Treffen mit der thüringischen Regierung in Gera, um seine neuen Verwandten kennen zu lernen.

Umarmen, Bussi, Foto für die Presse mit Inge rechts, Heidelinde links, Schröder in der Mitte. Und die beiden Schwestern sind anschließend froh, "dass Gerhard den Auftakt so gut gemanagt hat", vor dem sie aller Resolutheit zum Trotz Lampenfieber hatten. Gut zwei Stunden hat die Familie dann beim Essen im Hotel Zeit, sich kennen zu lernen.

Chefkoch Wolfgang Fleig hat Spargel mit Lachs vorbereitet. Doch Schröder bevorzugt lieber ein deftiges Schnitzel und darüber sind eigentlich auch die Schwestern froh. Na bitte, der erste Beweis für die Ähnlichkeit ist erbracht, die Runde wird dann noch mehr Gemeinsamkeiten entdecken.

Zwei "dolle Kusinen" habe er da, sagt der Kanzler später. Und er könne gut verstehen, flachst der vierfache Ehemann, dass es die Männer, der eine 36, der andere 39 Jahre lang ausgehalten haben. Aber im Ernst, es sei berührend, nach der langen Zeit - der Krieg hatte die Familie auseinander gerissen - so phantastische Menschen zu entdecken. Und auch die Schwestern sind angetan. "Gerhard ist mit uns einverstanden", witzelt Inge Siegel und erzählt erleichtert, wie locker das Gespräch doch war. "Als wenn wir uns nur mal paar Tage nicht gesehen hätten, das ist ein echter Schröder", sagt Heidelinde Munkewitz. Und natürlich wird man sich wiedersehen. Im Juni fahren die vier Eisenacher nach Berlin auf Vermittlung ihres Bundestagsabgeordneten, und der neue Kusin wird sie durchs Kanzleramt führen.

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