Welt : Schüsse an einer Schule in Bayern

14-Jähriger in Haft – keine Verletzten.

Verschanzt: Der jugendliche Schütze floh zum nahen Sportplatz. Foto: Felix Kaestle/dapd
Verschanzt: Der jugendliche Schütze floh zum nahen Sportplatz. Foto: Felix Kaestle/dapdFoto: dapd

Memmingen - Ein bewaffneter Jugendlicher hat sich am Dienstag im bayerischen Memmingen eine dramatische Jagd mit der Polizei geliefert und mehrere Schüsse abgegeben. Verletzt wurde allerdings niemand. Von der Schule aus war er in eine Holzhütte auf einem Sportplatz geflüchtet. Auch von dort hatte er immer wieder Schüsse abgefeuert und sich zunächst geweigert aufzugeben. Ein Großaufgebot der Polizei mit Hunden und Hubschraubern hatte den 14-Jährigen am späten Dienstagnachmittag dort entdeckt, am Abend war dann er in Polizeigewahrsam. Gestellt hatte er sich erst nach stundenlangen Verhandlungen mit der Polizei. Er soll zwei scharfe Waffen bei sich gehabt haben. Augenzeugen berichteten auch, dass er sich zeitweise eine der Waffen an den Kopf hielt. Gegen den Jungen wurde Haftbefehl erlassen.

Begonnen hatte das Drama um den jugendlichen Schützen am Mittag an der Memminger Lindenschule, einer Grund- und Hauptschule. Drei Schüler hatten ihn am Eingang der Schule mit Waffen gesehen und einen Schuss gehört. Danach flüchteten die etwa 280 Schüler sofort mit den Lehrern in die Klassenzimmer und verschanzten sich darin. Mit mehrmaligen Lautsprecherdurchsagen wurden sie aufgefordert, die Räume nicht zu verlassen. Ersten Aussagen von Mitschülern zufolge hatte es zwischen dem Jugendlichen, einem Achtklässler, und Mitschülern zuvor Streit gegeben.

Ein Lehrer alarmierte gegen 12.30 Uhr die Polizei. Hubschrauber überflogen das Gelände. Die Schule wurde von Spezialeinheiten durchsucht. Nach dem Einsatz wurden die Schüler um kurz nach 15 Uhr aus der Schule und mit Bussen an einen Sammelplatz gebracht, wo viele von ihren Eltern abgeholt wurden. Die Kinder und Jugendlichen wurden psychologisch betreut. Eine im Bayerischen Rundfunk geäußerte Vermutung, die Waffen des Schützen könnten dessen Vater gehören, wurden zunächst nicht bestätigt.

Schulamokläufe haben in den vergangenen Jahren in Deutschland viele Menschen das Leben gekostet. In Winnenden in Baden-Württemberg hatte am 11. März 2009 der damals 17-jährige Tim K. insgesamt 15 Menschen und sich selbst mit der Waffe seines Vaters erschossen. Vor zehn Jahren, am 26. April 2002, erschoss am Erfurter Gutenberg-Gymnasium der 19-jährige Robert Steinhäuser 16 Menschen. Die meisten der Opfer waren Lehrer, aber auch eine Sekretärin, ein Polizist und zwei Mitschüler starben. Anschließend erschoss Steinhäuser sich selbst. Erfurt gilt als erster deutscher Schulamoklauf. dpa/AFP/Tsp

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