Schulpartnerschaft zwischen Osterode und Kaolak : Jeder gibt, jeder nimmt

Zwei Lehrer sind der Motor der Partnerschaft zwischen Osterode im Harz und Kaolak im Senegal.

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Gemeinsam in Goslar. Die Besuche bringen die Schüler zusammen. Diese beiden Jungen haben sich im September 2015 kennengelernt.
Gemeinsam in Goslar. Die Besuche bringen die Schüler zusammen. Diese beiden Jungen haben sich im September 2015 kennengelernt.Foto: TRG Osterode

Eigentlich hat Tobias Rusteberg im März 2012 für seine 7. Klasse nur eine Klasse im Senegal gesucht, um die Kinder im Französisch-Unterricht echte Briefe an echte Kinder schreiben zu lassen – und auch welche zurückzubekommen. Ruseberg ist Französisch-Lehrer am Tilmann-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode im Harz. Der erste, der ihm geantwortet hat, war Elhadj Diouf. Er ist Deutschlehrer in Kaolak, einer Stadt im Zentrum des Senegals. Dort unterrichtet er an einem evangelischen Gymnasium und an einer Privatschule Deutsch. Kurz nach dem ersten Kontakt trafen sich Ruseberg und Diouf, weil der senegalesische Lehrer in Duderstadt eine Fortbildung besuchte. Inzwischen vergeht für beide kaum ein Tag, an dem sie nichts für ihre Partnerschaft tun.

Zwei deutsche Gruppen haben seit dem Beginn des Kontakts den Senegal besucht und zwei senegalesische Gruppen waren in Osterrode. Gerade im März waren sechs Schüler aus dem Harz bei einem Musikworkshop auf der Insel Gorée. Im September findet der Gegenbesuch statt. „Wir haben schon viel erlebt mit den Schülern“, erzählt Diouf. Für seine Schüler ist der Kontakt nach Osterode ein echter Ansporn, sich im Unterricht anzustrengen. Er nimmt nur die besten mit auf seine Exkursionen nach Deutschland. Und da es für Senegalesen nicht einfach ist, auf legalem Weg nach Deutschland zu kommen, ist die Schulpartnerschaft eine große Chance, Europa einmal mit eigenen Augen zu sehen. Unter anderen Umständen wäre es für die jungen Senegalesen kaum möglich, ein Visum für Deutschland zu bekommen. Die Schüler büffeln jedenfalls, um reisen zu können.

"Wir müssen uns jedes Mal etwas einfallen lassen"

Tobias Rusteberg sieht in der Partnerschaft einen „echten Brückenbau“. Wenn er die deutschen und senegalesischen Schüler gemeinsam lachen sieht, denkt er jedes Mal: „Dafür lohnt sich der Aufwand.“ Am schwierigsten ist es für Rusteberg und Diouf, die direkten Begegnungen zwischen den Schülern zu finanzieren. Denn das übliche Fundraising-Programm des Gymnasiums fließt in diesem Fall einem Hilfsprojekt zu, mit dem Straßenkindern in der Region Kaolak der Schulbesuch ermöglicht wird. Für jede Reise muss sich Rusteberg eine neue Finanzierung ausdenken. Die erste Reise hat er von mehreren Stiftungen bezuschusst bekommen. Die zweite haben die Eltern der Schüler weitgehend selbst bezahlt, „allerdings mit Hilfe des Schulfördervereins“. Das Goethe-Institut hat schon geholfen und der Pädagogische Austauschdienst. Aber das ist aus Rustebergs Sicht „die größte Herausforderung“. Und die Schüler haben auch den einen oder anderen Wettbewerb gewonnen. Die Schulen gehören zum sogenannten PASCH-Netzwerk, in dem sich Schulen verknüpfen, die im Ausland Deutsch-Unterricht anbieten.

Begegnungen zwischen Osterode und Kaolak
Die direkten Begegnungen sind das, was die Schüler am meisten begeistert. Das Foto zeigt drei Schülerinnen im September 2015 in der Reichstagskuppel in Berlin.Weitere Bilder anzeigen
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10.04.2016 23:20Die direkten Begegnungen sind das, was die Schüler am meisten begeistert. Das Foto zeigt drei Schülerinnen im September 2015 in...

Im September werden sich die Schüler in Osterode in einem Workshop mit dem Thema Wasser auseinandersetzen. Rusteberg und Diouf sind überzeugt, dass in ihrer Partnerschaft „jeder etwas gibt, und jeder etwas nimmt“. Dass Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Afrika leicht eine Schlagseite bekommen können, weil sie immer auch einen Geber- und Nehmer-Beziehung sind, ist beiden Lehrern bewusst. „Missionarische Auftritte“ von Senegal-Fahrern, die danach genau wussten, „wie es in Afrika zugeht“, hat Rusteberg deshalb auch noch keine erlebt. Diouf und Rusteberg betonen beide, dass für die Schüler im Vordergrund stehe, wie ähnlich sie sich doch sind, auch wenn sie in verschiedenen Welten leben. „Sie hören die gleiche Musik“, sagt Rusteberg. „Sie haben die gleichen Träume“, sagt Diouf.

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