Welt : Schunkel-Dämmerung

Unfreiwilliger Abschied: Heute präsentiert Karl Moik nach 25 Jahren seinen letzten „Musikantenstadl“

Christian Schröder

Schwungvoll geht’s los, die Begrüßung wird kernig klingen wie immer: „Servus, Grüezi und Hallo!“ Karl Moik wird den Applaus genießen und lächeln, er ist Profi. „Das ist mein Naturell“, hat er mal gesagt. „Ich lache gern und freu’ mich immer, wenn ich Leute aus der Schule treffe, die mir sagen: Mein Gott, du bist der gleiche Kasperl wie früher.“ Dreihundert Sendeminuten sind lang, es kann durchaus sein, dass dem Moderator da schon mal eine grantige Bemerkung entfährt. Seine Ansagen improvisiert er, auch wenn die Musik in seinen Shows vom Playbackband kommt. Mit dem „Silvesterstadl“, den die ARD heute Abend ausstrahlt, verabschiedet sich Moik vom Bildschirm. Er tut das nicht freiwillig, sein Vertrag wurde nicht verlängert.

Fünfundzwanzig Jahre lang hat Karl Moik den „Musikantenstadl“ präsentiert, angeblich gibt es weltweit keine Musikshow, die länger existiert. ARD und ORF hatten dem Bildschirm-Veteranen schon im Sommer das Aus angekündigt und als Abschiedsgeschenk eine Jubiläumssendung im März 2006 angeboten. Moik lehnte dieses „Zuckerl“ erbost ab und klagte, Dank habe er nicht erwartet, aber „der Stil der Abhalfterung“ hätte „ein anderer“ sein können. Kritiker spotteten über den Volksmusik-Impresario als „Inbegriff schunkelnder Spießigkeit“ (Hamburger Abendblatt), doch jahrelang sorgte er zuverlässig für Zuschauerzahlen von über sechs Millionen.

Zuletzt sank die Quote allerdings auf 5,4 Millionen, und in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil nur bei drei Prozent. Unter Pop-Verdacht wird der „Musikantenstadl“ nicht mehr geraten, dafür wirkt die Abfolge von in blitzblanken Trachten einmarschierenden Musikern, willig mitklatschenden Publikumsreihen und enthusiastischen Zwischenmoderationen („Auf geht’s“) zu gerontologisch. Moik ist 67 Jahre alt, vor zwei Jahren erlitt er einen Herzinfarkt. Die Sender setzen auf einen Generationenwechsel. Als Nachfolger sind die Sängerin Francine Jordi und der Trompeter Stefan Mross im Gespräch. Den hatte Moik einst als Wunderkind in seiner Show aufgebaut und später, als die Authentizität seines Trompetenspiels in Frage gestellt wurde, ermahnt: „Bua, üben, üben, üben.“

Karl Moik hat sich mühsam hochgearbeitet, nicht umsonst heißt seine Autobiografie „Ich habe nichts geschenkt bekommen“. In Linz geboren, absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher, schlug sich als Vertreter für Kopiergeräte und Fernsehantennen durch und lernte nebenher Klavier und Akkordeon. Er tingelte mit dem Jazz-Trio „Jolly Austrian“ durch die Provinz und landete beim Rundfunk. Nach dem Erfolg seiner „Volkstümlichen Hitparade“ im Radioprogramm des ORF durfte er zum Fernsehen wechseln. Am 5. März 1981 startete der „Musikantenstadl“ in Österreich, ab 1984 wurde er auch in Deutschland ausgestrahlt.

„Mein geistiges Vorbild war der bunte Abend“, so umreißt Moik das Konzept der Sendung. „Diese Mixtur aus ,Von überall ein bisserl was’: ein Stückl Mozart, ein Stückl Glenn Miller, Schlager, Evergreens.“ Das klingt altväterlich, aber da spricht durchaus auch ein Pionier. Moik trug die deutsch-österreichische Folklore ins Ausland, er präsentierte den „Stadl“ aus Russland, Kanada, Australien. Nelson Mandela beschenkte er mit einer Sachertorte, ein Auftritt vor dem Tor der Verbotenen Stadt in Peking wurde vom chinesischen Fernsehen übernommen.

Moik moderiert aus dem Stegreif, mitunter verrutscht seine Rhetorik. Italiener nannte er einmal „Spagetti-Fresser“, den Chor der russischen Schwarzmeerflotte kündigte er als „Schwarzmarktchor“ an. Für den „Silversterstadl“ verspricht die ARD ein „musikalisches Feuerwerk“. Gäste bei der Aufzeichnung aus dem Unteren Belvedere in Wien sind unter anderem DJ Ötzi, Vicky Leandros, die Saragossa Band und die Alpenoberkrainer. Karl Moik will dem Fernsehen verbunden bleiben. An seinem Haus hat er sechs Satellitenschüsseln montiert. „Ich kriege Äthiopien, indische Sender, China“, erzählt er. „Ich hätte gern mehr Zeit dafür.“

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