Welt : Schutzlos bei Anschlag mit Biowaffen

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London/Berlin (dpa). Nahezu alle Menschen, die bis Mitte der 70er Jahre gegen Pocken geimpft worden sind, haben keinen genügenden Schutz mehr gegen diese Krankheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine US- Studie mit 621 Mikrobiologen. Die Wissenschaftler hatten zwischen 1994 und 2001 eine Auffrischungsimpfung erhalten, damit sie sich nicht bei Ihrer Arbeit infizieren, wie das britische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ berichtet. Nur rund sechs Prozent der Forscher seien immun gegen die weltweit als ausgerottet geltenden Pocken gewesen. „Dies zeigt uns, dass nach 20 Jahren keine Immunität mehr vorhanden ist“, erläutert Studienleiter Michael Sauri, Direktor der Occupational Medicine Clinic in Maryland.

Auf diese Gefahr bei einem möglichen Anschlag mit Biowaffen verweist auch der Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin, Reinhard Kurth: „Wir gehen davon aus, dass im Ernstfall im Grunde die gesamte deutsche Bevölkerung eine Impfung benötigt.“ Bislang habe man angenommen, dass bei Geimpften noch ein geringer Schutz bestünde, so dass sie sich zwar infizieren könnten, die Todesrate unter ihnen aber relativ gering sei. Darauf habe man sich aber nicht verlassen wollen.

Heute gibt es die Pockenviren-Stämme nur noch in Hochsicherheitslaboren der USA und in Russland. Es gibt jedoch Befürchtungen, dass sie in falsche Hände gelangt sein könnten.

Kurth regte erneut an, insgesamt rund 80 Millionen Dosen Impfstoff einzulagern, eine für jeden Bundesbürger. Die Bundesregierung hatte wegen befürchteter Anschläge nach dem 11. September bereits sechs Millionen Dosen Impfstoff eingekauft.

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