Schwarzarbeit : Großrazzia gegen Mafia im Baugewerbe

Die Polizei hat in Deutschland und Italien elf mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung verhaftet. Sie sollen im Baugewerbe einen wirtschaftlichen Schaden von 20 Millionen Euro verursacht haben.

Stuttgart - Mit einem Großaufgebot von mehr als 1000 Einsatzkräften ist die Polizei gegen eine kriminelle Vereinigung im Baugewerbe vorgegangen. Dabei wurden nach Polizeiangaben in Baden-Württemberg und in Italien insgesamt elf Personen festgenommen. Den mutmaßlichen Mitgliedern der Organisation, die mafiöse Strukturen aufweisen soll, wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Betrug und illegale Beschäftigung vorgeworfen. An mehr als 80 Einsatzorten in Baden-Württemberg, auf Sizilien und in Bayern fanden Durchsuchungen statt, bei denen unter anderem Schusswaffen sichergestellt wurden.

Bei den Festgenommenen im Alter zwischen 30 und 54 Jahren handelt es sich einer Polizeisprecherin zufolge überwiegend um Italiener südsizilianischer Herkunft. Ihnen wird vorgeworfen, über ein System von Subunternehmen und Scheinfirmen im großen Stil Gelder unterschlagen zu haben, die ursprünglich für Sozialabgaben von Bauarbeitern vorgesehen waren. Die Arbeiter sollen ihren Lohn bar aus schwarzen Kassen erhalten haben. Den wirtschaftlichen Schaden schätzen die Ermittler auf rund 20 Millionen Euro.

Porsche-Museum in Stuttgart betroffen

Der Schwerpunkt des Einsatzes lag in der Region Stuttgart. Dort wurden unter anderem Container auf der Baustelle der neuen Landesmesse am Stuttgarter Flughafen durchsucht, wo zahlreiche Subunternehmen tätig sind. Auch die Baustelle für das Porsche-Museum soll betroffen gewesen sein. Insgesamt durchsuchten die Beamten mindestens 85 Unternehmen, Wohnungen und Baustellen. Nordrhein-Westfalen soll entgegen erster Angaben der Polizei nicht betroffen gewesen sein.

Acht der mit Haftbefehl gesuchten Verdächtigen wurden in Deutschland festgenommen, darunter neben Italienern auch ein Türke, ein Kroate und eine Deutsche. Die anderen drei gingen der Polizei auf Sizilien ins Netz. Bei den Razzien beschlagnahmten die Beamten Computer, Akten und 130.000 Euro Bargeld. Im Zuge der Festnahmen in Baden-Württemberg stellten sie zudem drei scharfe Pistolen sicher. Auch bei dem Zugriffen auf Sizilien wurden vier Schusswaffen gefunden. Zwei Personen erlitten während der Großaktion Schwächeanfälle und mussten medizinisch versorgt werden.

Mafia seit 1993 am Werk

Die Ermittler vermuten, dass sich die kriminelle Vereinigung bereits 1993 gebildet hat. Die Gesamtzahl der Beschuldigten in dem Verfahren bezifferte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf 18. Zwei davon würden als Rädelsführer der Organisation verdächtigt, den anderen werde Mitgliedschaft oder Unterstützung vorgeworfen. Die Festgenommenen sollen überwiegend in verantwortlichen Positionen bei Bauunternehmen tätig gewesen sein.

Der Razzia waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Weil auch zwei Baustellen auf Kasernengeländen durchsucht wurden, waren auch die US-Militärpolizei und die Bundeswehr eingebunden. (tso/ddp)

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