Schwarzmarkthandel : Der Fall des Lothar Matthäus

Alles mitnehmen – Triumphe wie Peinlichkeiten: Für Lothar Matthäus wird das langsam zur Regel. Bei der Fußball-WM in Südafrika soll er nun auch noch Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.

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Lothar Matthäus.
Lothar Matthäus.Foto: dpa

An die stets öffentlich ausgetragenen Trennungen von seinen immer jünger werdenen Ehefrauen, zuletzt gelangte die 22-jährige Liliana Tchoudinova zu spezieller Berühmtheit, hatte man sich ja schon fast gewöhnt. Doch nun soll sich der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch noch als Schwarzmarkthändler betätigt haben.

Nach Angaben der Kölner Zeitung „Express“ soll der 49-Jährige während der WM in Südafrika, bei der er als Experte für den Fernsehsender Al Dschasira gearbeitet hatte, Tickets des Senders unter der Hand verkauft haben. Dem Bericht zufolge soll der Handel so abgelaufen sein: Ein namentlich nicht genannter Spielerberater wollte für Freunde vier Karten für das Finale zwischen Spanien und Holland erstehen und hatte sich beim Onlineportal Ebay umgesehen. Dort fand er tatsächlich ein Angebot und erhielt letztlich tatsächlich bei der Auktion den Zuschlag – für 5000 Euro.

Zunächst meldete sich ein Anrufer, der darum bat, das Geld per Vorkasse auf ein Bankkonto zu überweisen. Die Übergabe sollte dann im Hotel Da Vinci in Johannesburg stattfinden. Als sich beide Seiten dann aber auf einen persönlichen Tausch von Geld und Karten im Hotel einigten, erhielt der Käufer am Vorabend der Übergabe eine SMS, in der Matthäus als Verkäufer angegeben wurde. Am Tag des Deals habe Matthäus in der Lobby gesessen, allerdings mit zunächst nur zwei Karten – mit dem Aufdruck „Fifa TV – Al Dschasira“, zu einem Preis von je 600 US-Dollar. Der Spielerberater habe dann die verabredeten 19 500 Rand (2000 Euro) bezahlt, woraufhin Matthäus zusätzlich 4300 Rand (etwa 440 Euro) gefordert haben soll. Für die beiden weiteren ersteigerten Karten forderte der Ex-Nationalspieler nun angeblich sogar 4000 Euro. Der Spielerberater beschwerte sich später bei Matthäus telefonisch über den überhöhten Preis und darüber, dass zwei der Karten nicht zur ersten Kategorie zählten. Matthäus soll angeboten haben, die Tickets zurückzunehmen. Gegenüber dem „Express“ erklärte Matthäus: „Das habe ich für einen Freund aus München gemacht. Ich habe ihm einen Gefallen getan. Ich habe persönlich an dem Kauf nichts verdient.“

Ein eigens vor der WM in Südafrika verabschiedetes Gesetz gegen den Schwarzmarkthandel besagt, dass ein Weiterverkauf von Tickets ohne Genehmigung der Fifa mit Geldstrafen von umgerechnet bis zu 20 000 Euro oder Gefängnis bis zu fünf Jahren geahndet wird. Ob der Ticket-Handel ein juristisches Nachspiel haben wird, ist zwar noch offen. Doch der Rekordnationalspieler (150 Einsätze) und Weltfußballer des Jahres 1991 dürfte es nicht zuletzt aufgrund dieser neuesten Geschichte sehr schwer haben, als der angesehen zu werden, der er immer sein wollte: Eine seriöse Kapazität in der Fußballwelt. Jörg Strohschein

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