Schweden : Polizei vermutet Helfer bei Selbstmordanschlag in Stockholm

Die Polizei in Schweden geht von mehreren Mithelfern bei dem Stockholmer Selbstmordanschlag am Samstag aus. Der Attentäter wurde in Ausbildungslagern in Pakistan und England geschult.

In Stockholm hat sich am Samstagnachmittag ein Selbstmordattentäter unter die Menschen in der belebten Innenstadt gemischt. Der Mann stirbt noch am Tatort, zwei Passanten werden verletzt. Hier untersucht ein Kriminalbeamter den Tatort.Alle Bilder anzeigen
Foto: AFP
12.12.2010 09:00In Stockholm hat sich am Samstagnachmittag ein Selbstmordattentäter unter die Menschen in der belebten Innenstadt gemischt. Der...

Der zuständige Staatsanwalt Thomas Widstrand sagte am Montag, das Attentat sei zwar missglückt, aber „gut vorbereitet“ gewesen. Deshalb gehe man von Helfern bei der Vorbereitung aus. Es gebe keine konkret Verdächtigen.

Derweil wurde bekannt, dass der Stockholmer Selbstmordattentäter sich in Ausbildungslagern in Pakistan sowie in England als Terrorist schulen lassen hat. Das berichteten schwedische und britische Medien am Montag übereinstimmend. Der 28-jährige Schwede irakischer Abstammung, dessen Name mit Taimur A. angegeben wird, hatte sich am Samstag in der Stockholmer Einkaufszone selbst in die Luft gesprengt. Zwei Passanten wurden leicht verletzt, als wenige Minuten vorher ein von dem Attentäter in der Nähe geparktes Auto explodierte.

Die britische Polizei durchsuchte in der Nacht zum Montag in der Stadt Luton nördlich von London ein Haus, in dem die Familie A. gemeldet war. Scotland Yard teilte mit, dass es keine Festnahmen gegeben habe. Auch habe man kein gefährliches Material sichergestellt, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

In Stockholm konzentrierte die Polizei ihre Ermittlungen auf die Frage nach möglichen Mittätern oder Hintermännern. Als wahrscheinlich gilt aber, dass A. bei seinem missglückten Anschlag als Einzeltäter handelte. Er war auf dem Weg in eine mit Weihnachtseinkäufern dicht bevölkerte Straße, als eine von sechs Rohrbomben an seinem Körper vorzeitig detonierte.

Nach Angaben in Schwedens größter Zeitung „Aftonbladet“ war der Attentäter 1992 mit seinen Eltern nach Schweden gekommen. Nach dem Abitur begann er 2001 ein Studium an der englischen Universität Bedfordshire und schloss sich radikalislamistischen Gruppen in Luton an. Die Stadt ist mit 20 000 Muslimen eine islamische Hochburg in Großbritannien. Am Lutoner Bahnhof hatten sich auch die Attentäter vom 7. Juli 2005 versammelt, bevor sie zu ihren Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Linienbus starteten. Damals starben 52 Menschen.

Zur Ausbildung für Terroraktivitäten sei der Stockholmer Attentäter unter anderem nach Pakistan geschickt worden, hieß es in Medienberichten. In diesem Frühjahr hielt er sich auch in Jordanien auf. Er hatte in einer an die Polizei und die Nachrichtenagentur TT geschickten Erklärung unmittelbar vor dem Anschlag seine Familie um Verzeihung gebeten, weil er ihnen nicht die Wahrheit über diese Aufenthalte gesagt habe.

Der Selbstmordattentäter hinterlässt nach den Medienangaben drei kleine Kinder. „Aftonbladet“ zitierte aus einer Kontaktanzeige in einer Dating-Site für Muslime, in der der 28-Jährige nach einer Zweitfrau suchte. Darin kündigte er auch an, dass er in ein arabisches Land umziehen wolle. (dpa)

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