Welt : Schweif am Himmel

Mysteriöse Lichterscheinung von Heiligabend war wahrscheinlich der Rest einer „Sojus“-Rakete.

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Der Lichtschweif, aufgenommen am Samstag im bayerischen Erdweg, Ortsteil Walkertshofen. Foto: Roman Breisch/dapd
Der Lichtschweif, aufgenommen am Samstag im bayerischen Erdweg, Ortsteil Walkertshofen. Foto: Roman Breisch/dapdFoto: dapd

Das kann kein Zufall sein, mögen sich manche Beobachter gedacht haben, als ausgerechnet am Heiligen Abend der Himmel von einem seltsamen Objekt erhellt wurde. Am Sonnabend gegen 17 Uhr 30, als überall in Deutschland die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu erzählt, gesungen und vielfach wohl auch als Legende abgetan wurde, war von vielen Orten aus eine leuchtende Kugel mit einem Schweif zu sehen. Soll es damals nicht auch einen leuchtenden Stern gegeben haben?

Bei der Mannheimer Ufo-Meldestelle gingen zahlreiche Anrufe und E-Mails ein, und zwar aus dem Südwesten bis in den Raum Thüringens, wie das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap) der Nachrichtenagentur dapd mitteilte. Beschrieben und gefilmt wurde demnach ein „flach dahinrasender Feuerball mit gewaltigem Schweif, aus dem sich viele Funken lösten“. Die Erscheinung konnte bis zu 30 Sekunden beobachtet werden, und noch einmal 20 bis 30 Sekunden war ein verwehender Rauchschweif zu sehen.

Bei der Polizei in den Landkreisen Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Sigmaringen und im Bodenseeraum klingelten ständig die Telefone. Viele Anrufer fühlten sich an das schwere Unglück bei Überlingen mit 71 Toten im Jahr 2002 erinnert. Doch die Flugsicherung gab Entwarnung, es werden keine Flugzeuge vermisst.

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wurden die Leuchterscheinungen von der Triebstufe einer „Sojus“-Rakete hervorgerufen. Das teilte die europäische Raumfahrtagentur Esa am Sonntag mit, nachdem Fachleute das Himmelsphänomen eingehend analysiert hatten.

Die Sojus war am Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur gestartet, um drei Astronauten zur Internationalen Raumstation zu bringen. Am Freitag erreichte die Rakete die Station in 350 Kilometer Höhe. Die ausgebrannte, im Orbit kreisende Oberstufe der Rakete wurde von der Restatmosphäre gebremst und nahm wieder Kurs auf die Erde. Beim Wiedereintritt in die dichten Schichten wurde sie erhitzt, bis sie glühte und in mehrere Teile zerrissen wurde.

Die Einschätzung der Esa wird auch von Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie Fachleuten aus Belgien und den USA geteilt. Eine finale Bestätigung der „Sojus-Theorie“ müsste allerdings durch russische Behörden erfolgen, die als startende Nation die Bahn der Rakete genau verfolgen und für das Geschoss verantwortlich sind. Genau dieser Umstand wird wohl dazu führen, dass Russland in dieser Frage keine Stellung beziehen wird. Gemäß Weltraumrecht muss das Startland für alle Schäden haften. Deshalb halten die Verantwortlichen in solchen Fällen eher still, anstatt zu Forderungen nach Schadenersatz – ob berechtigt oder nicht – einzuladen. Auch der Besitzer des Satelliten, von dem am Donnerstag in Thailand mehrere Trümmer niedergingen, hat sich noch nicht gemeldet.

Insgesamt ist Weltraumschrott aber kaum gefährlich. Jedes Jahr dringen alte Raketenteile oder Satelliten mit einer Masse von 60 bis 80 Tonnen wieder in die Erdatmosphäre ein. Gut zwei Drittel davon verglühen. Und selbst die Reste, die den Höllenritt überstehen, sind später kaum zu finden. Dementsprechend klein ist die Gefahr, von einem Trümmer getroffen zu werden. Bis heute gib es laut Nasa keinen verbrieften Fall eines Personenschadens durch Weltraumschrott.

Ein kleines bisschen gefährlicher sind dann schon natürliche Trümmer. Jedes Jahr erreichen etwa 200 Tonnen Meteoritenmaterial die Erdoberfläche. Aber auch hier kann man nicht von einer „Bedrohung“ sprechen – wenn man mal von jenen kilometergroßen Brocken absieht, von denen alle paar Jahrmillionen einer eine Katastrophe auslöst. mit dapd, dpa

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