Schweinegrippe : 30 Kinder in Deutschland erkrankt

In der japanischen Schule in Düsseldorf geht der Schweinegrippe-Erreger H1N1 um. Die Schule, auf die 560 Kinder gehen, wurde geschlossen.

DüsseldorfDie sogenannte Schweinegrippe ist weiterhin im Umlauf. Mindestens 30 Kinder der japanischen Schule in Düsseldorf haben sich mit der Amerikanischen Grippe angesteckt, meldet das Gesundheitsamt.

Den Kindern gehe es überwiegend gut, zwei von ihnen seien schwerer erkrankt, sagte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler. Alle Betroffenen befänden sich zu Hause in Quarantäne. Da weitere Kinder über Beschwerden klagten, sei mit mehr Fällen zu rechnen.

Insgesamt gehen rund 560 Kinder in die japanische Schule. Die Schulleitung erklärte, die Schule werde bis mindestens Ende nächster Woche geschlossen bleiben. Wie das H1N1-Virus eingeschleppt wurde, war zunächst unklar. Die Zahl der Fälle in Nordrhein-Westfalen stieg mit den neuen Infektionen auf mehr als 40.

Erst am Montag waren bundesweit 19 neue Fälle von Amerikanischer Grippe bekannt geworden, davon vier in Nordrhein-Westfalen.

Weltweit sind seit dem ersten Auftreten des neuen Influenza-Erregers in Mexiko im Mai dieses Jahres knapp 28.000 Menschen daran erkrankt. 141 Grippe-Patienten sind gestorben.

Die weltweite Epidemie der Amerikanischen Grippe verläuft im Vergleich zur "gewöhnlichen Grippe" – die in Deutschland im Winter, auf der Südhalbkugel dagegen zu unserer Sommerzeit auftritt – recht harmlos. Während der normalen Grippewellen sterben allein in Deutschland jedes Jahr 8.000 bis 11.000 Menschen, darunter vor allem Senioren und Kinder. In Jahren mit besonders schweren Epidemien, wie in der Saison 1995/96, kann es hierzulande auch mal zu 30.000 Toten kommen. Allerdings gibt es gegen die seit langem bekannten Erreger wirksame Impfstoffe.

Die Entwicklung der Vakzine gegen die so genannte Schweinegrippe ist inzwischen so weit, dass mit der Produktion begonnen werden kann. Die Herstellung der saisonalen Impfstoffe für die anstehende Grippesaison auf der Südhalbkugel sowie die nächste Winter-Grippesaison in Europa wird nach Ansicht von Experten davon nicht mehr beeinträchtigt. Im Herbst könnten also Impfstoffe gegen die Amerikanische Grippe zur Verfügung stehen.

Inzwischen erwägt die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Erhöhung der Grippealarmstufe. "Wir rechnen damit, dass die WHO in nächster Zeit die Phase 6 des Pandemieplanes ausruft. Denn laut Definition sind die Bedingungen dazu erfüllt," sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Jörg Hacker. Dazu muss es auf mindestens zwei Kontinenten zu einer fortgesetzten Mensch-zu-Mensch- Übertragung kommen.

Für Deutschland wäre eine erhöhte Alarmstufe nach Expertenansicht nur eine Formsache. "Alle erforderlichen Strukturen funktionieren bereits jetzt", sagte Hacker. In vielen anderen Ländern würde die angedachte höchste Warnstufe jedoch weitere Vorsorgemaßnahmen nach sich ziehen, die bislang nicht installiert worden seien.

ZEIT ONLINE, dpa, reuters, dal

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