Schweinegrippe : Mann infiziert Schweine mit dem Virus

Das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm berichtet aktuell von weltweit rund 800 bestätigten Infektionen in 18 Ländern. Nun wurde der Virus erstmals von Mensch auf Tier übertragen. RKI-Präsident Jörg Hacker warnte jedoch vor einer Dramatisierung.

Ottawa/Frankfurt-Oder In der kanadadischen Provinz Alberta hat ein Mann höchstwahrscheinlich eine Schweineherde mit der Schweinegrippe infiziert. Der Farmer habe die Tiere infiziert, nachdem er aus Mexiko zurückkehrte. Der Mann und die Tiere hätten sich bereits erholt oder seien auf dem Weg der Besserung, teilte die kanadische Lebensmittelbehörde CFIA mit.

Inzwischen stieg in Deutschland die Zahl der Grippefälle um zwei auf acht Erkrankungen. Nach Auskunft des Robert Koch-Instituts (RKI) hat sich ein Ehepaar aus Frankfurt-Oder mit dem Virus infiziert.

RKI-Präsident Jörg Hacker sagte, es gebe keinen Grund zur Entwarnung, man solle aber die Lage nicht dramatisieren. Ab sofort müssen Ärzte in Deutschland sämtliche Verdachtsfälle und Erkrankungen der Schweinegrippe dem Gesundheitsamt melden. Deutschland hat laut RKI derzeit 20 Verdachtsfälle.

Weltweit steigt die Zahl der Infizierten

In Spanien hat sich die Zahl der bestätigten Fälle auf 40 verdoppelt, in Großbritannien haben sich nachweislich 18 Menschen mit dem Virus infiziert. Zudem hat die Grippe mit einem Mexiko-Reisenden auch Irland erreicht. Die USA registrierten mindestens 226 Fälle in 30 Bundesstaaten und einen Toten.

Nach Angaben des EU-Zentrums für Seuchenbekämpfung gibt es neben den bestätigen Fällen noch Verdachtsfälle in Portugal, Schweden und El Salvador. Zudem meldeten kürzlich auch Kolumbiens Gesundheitsbehörden einen nachgewiesenen Fall.

WHO: Schweinefleisch weiterhin ungefährlich

Unterdessen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erneut betont, dass der Verzehr von Schweinefleisch in fast jeder Form keine Gefahr für die Menschen birgt. Man bekomme die Krankheit nicht, wenn man Schweinefleisch ist, sagte WHO-Lebensmittelexperte Peter Ben Embarek in Genf.

Auch das mutierte Virus A/H1N1 sei nicht lange widerstandsfähig gegen Hitze. Ein höheres Risiko gebe es, wenn das Virus sich in lebenden Tieren festgesetzt habe. Bauern, Tierärzte oder Schlachter könnten sich jedoch relativ leicht schützen.

Hygienemaßnahmen bei Zubereitung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät grundsätzlich bei der Zubereitung von Fleisch zu bestimmten Hygienemaßnahmen: "Wer Fleisch bei der Zubereitung mindestens zwei Minuten lang auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt, schützt sich vor Erkrankungen, die durch Mikroorganismen übertragen werden."

Auch von rohem Fleisch - etwa Mett - gehe kein erhöhtes Grippe-Risiko aus. Die Krankheit werde durch das Einatmen der Viren übertragen, vor allem über Tröpfchen, aber auch über Staub, der den Erreger enthalte.

Viren nicht so gefährlich wie bei anderen Grippe-Pandemien

Der Mexikanische Gesundheitsminister José Cordova erklärte, die Ausbreitung verlangsame sich. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen sei auf 506 gestiegen, 19 Menschen seien gestorben.

Nach Erkenntnissen der US-Seuchenbehörde CDC ist die Schweinegrippe nicht so gefährlich wie frühere Grippe-Pandemien. Der Virustyp H1N1 habe anscheinend nicht die gleichen todbringenden Eigenschaften wie das tödliche Virus der Spanischen Grippe von 1918/19, sagte CDC-Direktorin Nancy Cox in Atlanta. (sh/dpa)

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