Schweinegrippe : Schwangere und Dicke bei Impfung bevorzugt

Laut Entwurf sollen Schwangere und Übergewichtige gratis gegen Schweinegrippe geimpft werden – die Regelung steht aber noch aus.

Kai Kupferschmidt

Fast 8000 Deutsche haben sich inzwischen mit dem Schweinegrippevirus H1N1 infiziert und die Vorbereitungen für eine große Impfkampagne gegen Ende des Jahres werden immer konkreter. Eine Verordnung, die das Bundeskabinett am 12. August beschließen will, soll nun regeln, für welche Patienten die Impfung gegen die Schweinegrippe gratis ist, also von den Kassen bezahlt wird. Im derzeitigen Entwurf gehören dazu neben Schwangeren, Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie Polizei und Feuerwehr auch Menschen mit einer schweren Fettleibigkeit. Der Grund: Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 haben offenbar ein höheres Risiko, dass eine Infektion mit dem Virus H1N1 zu Komplikationen oder sogar zum Tod führt. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Meter im Quadrat.

Bereits am 13. Juli hatte die Impfexpertin der Weltgesundheitsorganisation, Marie-Paule Kieny, darauf hingewiesen, dass Menschen mit Übergewicht besonders gefährdet seien: „Wir haben beobachtet, dass Menschen mit einem BMI über 30 ein höheres Risiko einer schweren Grippeerkrankung haben und Menschen mit einem BMI über 40 noch mehr.“

Laut Verordnungsentwurf sollen neben den bereits genannten Gruppen vor allem Menschen mit verschiedenen Grunderkrankungen die Impfung bezahlt bekommen. Dazu gehören Patienten mit einer HIV-Infektion, angeborenen oder erworbenen Immundefekten, chronischen Krankheiten der Atmungsorgane einschließlich Asthma und chronisch obstruktiver Bronchitis, chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes oder anderen Stoffwechselkrankheiten und Patienten mit Multipler Sklerose mit durch Infektionen ausgelösten Schüben.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt es aber, es sei noch nicht endgültig geklärt, ob die genannten Gruppen am Ende wirklich durch eine Gratisimpfung bevorzugt werden. Der Entwurf werde zurzeit noch abgestimmt. Das Gesundheitsministerium verfolge dabei das Ziel, allen Menschen eine kostenlose Immunisierung zu ermöglichen. Ob das gelingt, ist aber unklar.

Selbst wenn die Krankenkassen am Ende allen Menschen die Impfung bezahlen sollten, würden die Risikogruppen bevorzugt. Sie werden in jedem Fall als Erste geimpft werden. Denn der Impfstoff wird nur nach und nach verfügbar werden und eines ist unstrittig: Besonders gefährdete Menschen sollten als Erste geschützt werden.

Aber auch wer geimpft ist, genießt keinen hundertprozentigen Schutz. So heißt es etwa in den öffentlichen Beurteilungsberichten der europäischen Arzneimittelagentur EMEA für Celvapan, einen der möglichen Impfstoffe, dass 21 Tage nach der Verabreichung der zweiten Dosis 73 Prozent der Probanden einen Impfschutz aufgebaut hätten. Ähnliches gilt für die anderen Impfstoffe. Nach neueren Daten handele es sich um bis zu 90 Prozent der Geimpften, sagt Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, das für die Zulassung von Impfstoffen verantwortlich ist. Aber auch dann wäre jeder Zehnte nach der Impfung nicht vor der Schweinegrippe geschützt. „Der Schutz gegen Infektionen ist immer ein Bündel von Maßnahmen“, sagt Löwer daher. „Nur weil man geimpft ist, sollte man keinesfalls aufhören, vorsichtig zu sein und sich die Hände zu waschen."

Nach wie vor infizieren sich die meisten Deutschen im Ausland. Laut Robert-Koch-Institut haben sich von insgesamt 7963 Erkrankten nur 1704 in Deutschland mit dem Virus infiziert. Der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle hat daher empfohlen, eine Verlängerung der Schulferien in Betracht zu ziehen. „Solange sich die meisten Infektionen im Ausland ereignen, kann das sinnvoll sein“, sagte er. So könnte weitgehend verhindert werden, dass Kinder das Virus in der Schule weitergeben. Dann würden die eingeschleppten Infektionen zu Hause auskuriert und ein befürchteter Anstieg der Infektionszahlen zum Ferienende könnte verhindert werden.

Kinder gelten als das „Feuer der Influenza“. „Sie sind praktisch die Verbreiter der Erkrankung“, sagt Markus Knuf vom Uniklinikum Mainz. Sie halten Hygieneregeln nicht so streng ein wie Erwachsene.

0 Kommentare

Neuester Kommentar