Welt : Schwere Waldbrände in Griechenland

Gerd Höhler

Glyfada - Nach der Hitzewelle der vergangenen Tage rollt jetzt eine Feuerwalze über viele Teile Griechenlands hinweg. Seit Mittwochabend loderten zwischen der Halbinsel Chalkidiki im Norden und Kreta im Süden mehr als 110 Waldbrände auf. Gestern wurde in zwei mittelgriechischen Provinzen der Notstand ausgerufen. Dort wüteten kilometerlange Feuerfronten. Bei Larissa in Thessalien kamen zwei 36 und 42 Jahre alte Männer in den Flammen ums Leben. Sie waren in einem Lastwagen unterwegs und wurden vom Feuer eingeschlossen. Zu Fuß versuchten sie zu entkommen. Aber die Flammen holten sie ein. Ein dritter Mann konnte sich unverletzt retten.

„Die Lage ist sehr ernst, wir bekommen wegen des Windes vielerorts die Flammen einfach nicht unter Kontrolle“, sagte ein Sprecher der Zivilschutzbehörde. Westliche Winde brachten gestern dem seit einer Woche von Gluthitze geplagten Land zwar die lange erwartete Abkühlung, das Thermometer fiel erstmals seit Tagen wieder unter die 40-Grad-Marke. Aber der Wind fachte die Flammen immer wieder an. Nach der Hitzewelle sind die Wälder völlig ausgetrocknet und brennen wie Zunder. Die größten Waldbrände wüteten gestern in den Bergen über der Hafenstadt Volos, in der Nähe von Lamia, auf dem Peloponnes sowie nördlich der Hauptstadt Athen. Dort zerstörten die Flammen eine 300 Kilovolt-Hochspannungsleitung, die Athen und den Peloponnes mit Strom versorgt. Fachleute warnten vor der Gefahr eines Blackouts in der Viermillionenstadt und weiten Teilen Südgriechenlands. „Heute ist ein kritischer Tag“, sagte Nikos Stefanou, der Generalsekretär des griechischen Entwicklungsministeriums

Dramatische Szenen spielten sich in der Nacht zum Donnerstag auf der kleinen Ferieninsel Poros bei Athen ab. Die Insel ist für ihre dichten Pinienwälder berühmt. Dort zerstörten die Flammen mehrere Wochenendhäuser und bedrohten ein Hotel. Mit Fischerbooten mussten die Touristen übers Meer in Sicherheit gebracht werden. Das Feuer auf Poros konnte aber unter Kontrolle gebracht werden. Andernorts kämpften die Feuerwehren mit Löschfahrzeugen, Löschflugzeugen und Hubschraubern gegen die Flammen. Die griechische Regierung bat die Europäische Union um Hilfe bei der Brandbekämpfung: man benötige umgehend vier weitere Löschflugzeuge und drei Hubschrauber, hieß es in Athen. Italien und Frankreich reagierten sofort: die beiden Länder schickten je zwei Maschinen, die am Donnerstag eintrafen. Zwar verfügt die griechische Luftwaffe über 22 Löschflugzeuge des kanadischen Typs Canadair. Bei 13 davon handelt es sich aber um Maschinen älteren Typs, die von Kolbenmotoren angetrieben werden. Diese können bei Lufttemperaturen von mehr als 37 Grad nicht eingesetzt werden und sind wegen ihres Alters ohnehin sehr störanfällig. Gerd Höhler

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