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Schwerer Bahnunfall : Rheintalbahn nach Beinahe-Katastrophe weiter blockiert

Die Explosionsgefahr in Müllheim ist gebannt, aber eine der meistbefahrenen Bahnstrecken Europas ist weiter gesperrt. Entgleiste Güterwaggons blockieren die Strecke zwischen Freiburg und Basel. Wann die Züge wieder rollen können, ist unklar.

Nach der Beinahe-Katastrophe im Bahnhof von Müllheim sind die Aufräumarbeiten nur schleppend vorangekommen. Die explosive Fracht eines entgleisten Güterzugs war auch am Samstag noch nicht geborgen.Alle Bilder anzeigen
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21.05.2011 15:51Nach der Beinahe-Katastrophe im Bahnhof von Müllheim sind die Aufräumarbeiten nur schleppend vorangekommen. Die explosive Fracht...

Nach der Beinahe-Katastrophe im Bahnhof von Müllheim sind die Aufräumarbeiten nur schleppend vorangekommen. Die explosive Fracht eines entgleisten Güterzugs war auch am Samstag noch nicht geborgen. Die viel befahrene Rheintalbahn zwischen Freiburg und Basel blieb daher weiter gesperrt. Tausende Reisende mussten Zugausfälle und erhebliche Verspätungen in Kauf nehmen.

Zunächst müssten die chemischen Stoffe in den umgestürzten Waggons geleert und in andere Wagen umgefüllt werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Müllheim. Dies werde bis mindestens Mitternacht andauern. Spezialkräne der Bahn könnten erst dann mit der Bergung der entgleisten Güterzugwaggons beginnen, wenn alle Chemikalien vom Einsatzort entfernt sind. An den Gleisen und der Oberleitung gebe es große Schäden. Dies verzögere die Aufräumarbeiten.

Zwei Container mit PVC-Granulat haben die Einsatzkräfte bereits mit Seilwinden von den Gleisen gezogen und ausgepumpt. Drei weitere Güterwaggons mit einer entzündlichen alkoholischen Flüssigkeit standen am Samstagnachmittag noch auf dem Plan. Die Feuerwehr wollte daher die Vorsichtsmaßnahmen zum Brandschutz nicht lockern. Einsatzleiter Alexander Wiedmeyer schloss eine Explosionsgefahr nicht prinzipiell aus, gab aber zunächst Entwarnung: Von den ausgelaufenen Stoffen im Bahnhof gehe keine Gefahr aus.

Im Bahnhof von Müllheim war am Freitagmittag ein aus 25 Waggons bestehender Güterzug verunglückt. Acht Waggons hatten sich vom Zug gelöst und waren entgleist. Der Lokführer erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus. Er konnte bisher nicht vernommen werden, sagte ein Sprecher der für den Bahnverkehr zuständigen Bundespolizei.

Geladen hatte der Zug keine giftigen, aber bei hoher Temperatur entzündliche Chemikalien. Zum Schutz der Bevölkerung hatte die Polizei einen Evakuierungsradius von 500 Metern eingerichtet. Als die Feuerwehr die Waggons auspumpte, seien eine alkoholische Flüssigkeit (Monoethylenglykol) und Kunststoff-Pulver aus den Behältern getreten, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Zu einer Explosion oder einem Brand kam es nicht. Die Rheintalbahn ist eine der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindungen in Deutschland und eine der bedeutendsten Güterbahnstrecken Europas. Die Schienenstrecke in Südbaden bleibe bis mindestens Samstagabend gesperrt, sagte der Bahnsprecher.

Fernzüge werden von Norden kommend in Freiburg gestoppt, von Süden kommend in Basel. Bahnreisende mussten zunächst auf Regionalzüge und dann auf Busse umsteigen. Es kam zu erheblichen Behinderungen. Wann die Strecke wieder freigegeben wird, war am frühen Samstagabend noch unklar. Nicht ausgeschlossen wurde, dass die Bergungsarbeiten auch am Sonntag andauern. Die Suche nach der Unglücksursache kommt nur langsam in Fahrt.

Wegen der Bergungsarbeiten konnte die Polizei den Unfallort nur in Teilen untersuchen. Bislang haben die Ermittler vereinzelte Schienenteile und Waggons unter die Lupe genommen. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, mit konkreten Ergebnissen könne erst in den nächsten Wochen gerechnet werden.

„Es ist eine sehr komplexe und zeitintensive Ursachenforschung“, sagte Polizei-Einsatzleiter Kai Welzel. Eingebunden seien auch Experten der Eisenbahn-Unfallforschung und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Zu Spekulationen, dass eine Baustelle entlang der Strecke zu dem Unglück geführt haben könnte, wollte sich Welzel nicht äußern. (dpa)

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