Welt : Schwitzen, bis der Arzt kommt Bei der Sauna-WM lagen bisher die Finnen vorn

André Anwar

Heinola - Sie ist mit Abstand das heißeste Sportereignis des Jahres: Die neunte Sauna-Weltmeisterschaft 2007 wird an diesem Wochenende im kleinen finnischen Örtchen Heinola ausgetragen. Die meisten der rund 100 Teilnehmer kommen aus Europa und den USA. Aber auch China, Japan, Korea und Marokko nehmen teil. Bisher waren es vor allem Finnen, die den Titel erschwitzten. Kein Wunder. Denn in dem kalten nordeuropäischen Land werden bereits Kleinkinder behutsam mit der Sauna vertraut gemacht. Der an sich sehr eigentümliche Schwitzkasten gilt wohl als wichtigstes nationales Symbol in Finnland. Kaum ein Mietshaus existiert in diesem Land, das nicht im Keller über einen eigenen Mieterschwitzkasten verfügt. „Das ist natürlich ein Vorteil. In Ländern mit großen Wüsten wie der Sahara ist der Saunagang beim Volk nicht so verankert wie in Finnland. Aber die Sauna wird immer internationaler“, sagt einer der Organisatoren.

Die Wettkampfbedingungen in Heinola sind hart. Auf glühende 110 Grad wird der WM-Schwitzkasten hochgeheizt. Ohne Erbarmen folgt alle 30 Sekunden ein Aufguss. Für die Teilnehmer gelten strenge Haltungskriterien. Niemand darf sich durch unauffälliges Hinabbeugen des Kopfes – des wohl empfindlichsten Körperteils bei diesem Wettkampf – der nach oben steigenden Wärme entziehen. Das größte Problem sind stets die verbrennenden Ohren. Sie sind der Schwachpunkt bei den meisten Sauna- sportlern. Schiedsrichter achten deshalb peinlichst genau auf die Beibehaltung einer schnurgeraden Körperhaltung, bei der die Oberschenkel auf dem Sitz und die Ellenbogen auf den Knien aufliegen müssen. Zum Sieger wird derjenige gekürt, der als Letzter die Sauna verlässt. Natürlich völlig ohne fremde Hilfe. Eingeteilt wird in Herren und Damenliga. Allerdings sind es im Gegensatz zu anderen sportlichen Disziplinen, wie dem Weitwurf, oft die Damen, die mit besseren Leistungen aufwarten. WM-Sieger des vergangenen Jahres war der Finne Timo Kaukonen bei den Herren. Er hielt es 12:21 Minuten in der Sauna aus. Bei den Damen gewann die Finnin Leila Kulin. Sie hielt es sogar 13:38 Minuten aus. Das Leistungsgefälle ist groß bei dieser WM. Erst auf Platz sechs landete der beste deutsche Mann mit einer Zeit von 6:11 Minuten. Auch in diesem Jahr werden den deutschen Teilnehmern keine allzu großen Chancen eingeräumt. Zu wenig organisiert sei dieser Leistungssport noch in Deutschland, kritisieren Funktionäre. Sie lästern aber auch: die Finnen Schummeln. Denn die Schweiß liebenden Nordeuropäer sollen über besonders effektive Cremes oder Kühl-Gels verfügen, die sie vor dem Wettkampf in die Haut einreiben. Einige der Teilnehmer benötigen medizinische Betreuung nach dem Wettkampf, so auch einer der Amerikaner Joshua im letzten Jahr: „Ich litt unter Verbrennungen ersten Grades am Körper. Rosarote Muster bedeckten meine Arme und den Rücken, und ich konnte mich kaum noch bewegen“, schreibt Joshua in seinem WM-Tagebuch. André Anwar

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