Welt : SDR: Steffi Graf aus der Kirche ausgetreten

Zuvor waren Verhandlungen über Steuernachzahlung gescheitert MANNHEIM (dpa/KNA).Die Tennisspielerin Steffi Graf ist nach Informationen des Süddeutschen Rundfunks (SDR) aus der katholischen Kirche ausgetreten.Wie die SDR-Regionalredaktion "Kurpfalz Radio" meldete, gehen der Erzdiözese Freiburg dadurch rund 300 000 Mark an Kirchensteuern pro Jahr verloren.Steffi Graf habe ihren Schritt gegenüber der Kirche nicht begründet. Angeblich sei Graf mit ihrem Verlangen gescheitert, eine nach dem Steuerprozeß gegen ihren Vater fällig gewordene Nachzahlung von Kirchensteuern von über einer Million Mark zu mindern, berichtete der Sender.Bei der Gemeinde Brühl, dem Wohnort der Sportlerin, und deren Pfarramt wurden auf Anfrage keine Angaben gemacht.Beide Behörden beriefen sich auf den Datenschutz. Der Austritt ist von kirchlichen Stellen offiziell nicht weiter kommentiert worden.Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn wollte sich dazu nicht weiter äußern.Natürlich sei jeder Kirchenaustritt zu bedauern; die Entscheidung der Tennisspielerin müsse aber nicht eigens kommentiert werden.Im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg verwies Pressesprecher Bernhard Scholz darauf, daß ein Kirchenaustritt eine Privatangelegenheit sei.Zu Hinweisen, daß Steffi Graf wegen hoher Nachzahlungen an Kirchensteuer ihre Kirche verlasse, nahm Scholz unter Hinweis auf das Steuergeheimnis keine Stellung.Ein Kirchenaustritt kann, wie es heißt, die rückwirkend fällige Zahlung an Kirchensteuern nicht verhindern. Der Sprecher erläuterte, daß ein Kirchenaustritt vor dem Standesamt und nicht gegenüber der zuständigen Kirchengemeinde erklärt werde.Walter Sauer, Heimatpfarrer der in Brühl bei Heidelberg beheimateten Sportlerin, wollte den Kirchenaustritt mit Hinweis auf deren Persönlichkeitsschutz nicht bestätigen.Der Geistliche, der seit fünf Jahren in der Gemeinde tätig ist, äußerte sich auch nicht dazu, ob er Steffi Graf oder Mitglieder ihrer Familie von Gottesdienstbesuchen her kennt.Auch ein Sprecher der Steffi-Graf-Sport GmbH wollte sich zu den Berichten nicht weiter äußern; von einem entsprechenden Entschluß der Sportlerin wisse man auch nur durch Journalistenanfragen. Scholz wies darauf hin, daß im Interesse der Gleichbehandlung aller Bürger grundsätzlich keine Verhandlungen über Sonderregelungen für einzelne Personen bei der Kirchensteuer geführt würden.In rechtlich festgelegten Fällen könne jedoch eine Minderung der Kirchensteuer in seiner Diözese beantragt werden.Entschieden werde dabei nach genau festgelegten Kriterien (siehe Bericht unten). Besserverdienende haben niedrigeren Kirchensteuersatz Erst ab etwa 250 000 Mark Einkommen im Jahr bedeutsam / Damit sollen Austritte verhindert werden BERLIN(os/KNA).In Deutschland haben die Kirchen das von der Verfassung gesicherte Recht, von ihren Mitgliedern Kirchensteuern zu erheben.Die Steuer ist die wichtigste Finanzquelle zur Durchführung kirchlicher Aufgaben in Seelsorge und Sozialbereich.Die Höhe der Steuer richtet sich in der Regel nach der Lohn- oder Einkommenssteuer.Der "Kirchensteuerhebesatz" beträgt in den süddeutschen Ländern acht und in den norddeutschen Ländern neun Prozent der gezahlten Einkommenssteuer. Für Steuerzahler mit hohem Einkommen gibt es in den meisten Bundesländern die Möglichkeit einer Steuerminderung durch eine Kappungsgrenze, ab der eine andere Berechnungsgrundlage in Kraft tritt.Dann beträgt die Kirchensteuer in Norddeutschland maximal vier Prozent des zu versteuernden Einkommens, in Südwestdeutschland 3,5 Prozent, in Berlin drei Prozent.Dies gilt sowohl für die katholische wie für die evangelische Kirche.Diese Kappungsgrenze wird je nach Bundesland automatisch - wie in Berlin - per Gesetz oder nur auf Antrag angewandt.In Bayern gibt es dieses Verfahren überhaupt nicht.Nach Angaben von Kirchensteuerexperten rechnet sich dieser reduzierte Steuersatz ab einem Einkommen von etwa 250 000 Mark. Das Erzbischöfliche Ordinariat Berlin hat am Dienstag ein Beispiel vorgerechnet.Ein Ehepaar hat ein zu versteuerndes Einkommen von 283 000 Mark im Jahr.Die Einkommenssteuer beträgt 104 400 Mark.Die normale Kirchensteuer in Höhe von neun Prozent hiervon betrüge 9396 Mark.Dies wären jedoch 3,3 Prozent des zu versteuernden Einkommens.Da die obengenannte Kappungsgrenze in Berlin bei drei Prozent liegt, muß der Steuerzahler nur 8500 Mark Kirchensteuer bezahlen, also rund 900 Mark weniger.Liegt das zu versteuernde Einkommen erheblich höher, wirkt sich auch die Kappung sehr viel stärker aus.Der Leiter des Finanzwesens im Erzbischöflichen Ordinariat Berlin, Graf Waldburg-Zeil, wies darauf hin, daß durch die Kappungsgrenze der Effekt progressiver Besteuerung bei der Kirchensteuer deutlich früher beendet ist, als bei der Einkommenssteuer. Hintergrund dieser Gesetze ist die Überlegung, die Gläubigen nicht überfordern zu wollen.Ab einem bestimmten Betrag überlegen sich viele, ob sie ihn bezahlen wollen, oder aus der Kirche austreten. Im vergangenen Jahr betrug das Kirchensteueraufkommen in Deutschland etwa 17 Milliarden Mark; davon entfielen jeweils etwa 50 Prozent auf die katholische und die evangelische Kirche.Im Rahmen der geplanten Steuerreform befürchten die Kirchen Einbußen von jeweils mehr als zwei Milliarden Mark.Die Kirchensteuer fließt nicht den Gemeinden, sondern den Diözesen und Landeskirchen zu.Sie wird vom Staat eingezogen; er erhält für diesen Dienst drei Prozent des Aufkommens.

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