"Second Screen"-Idee : Disney will Tablet-Nutzung in die Kinos bringen

Große Leinwand und kleines Display: Disney plant zur Neuauflage von "Arielle, die Meerjungfrau" eine Version für Tablet-Nutzer. So sollen Kinder ihre mobilen Geräte ins Kino mitbringen und parallel zum Film Rätsel lösen.

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Große Leinwand, kleiner Screen - Arielle zum Mitmachen nach Disneys Vorstellung
Große Leinwand, kleiner Screen - Arielle zum Mitmachen nach Disneys VorstellungScreenshot: Tsp

Als "Arielle, die Meerjungfrau" 1989 in die Kinos kam, war die Welt noch eine andere. Den Hinweis, jetzt sein Mobiltelefon auszuschalten, musste damals kein Kino bringen. Stattdessen: Singende Krabben, fiese Kraken und eine rothaarige Meerjungfrau nach Andersens Vorbild, die sich in bester Disney-Manier ihren Prinzen angelte.

Jetzt kommt der Zeichentrickklassiker in einer Neuauflage in die Kinos. Und das mit einer Innovation: Ab Freitag wird in ausgewählten Kinos in den USA "Arielle" in einer so genannten "Second Screen"-Version laufen. Wer ein iPad besitzt, kann es in das Kino mitbringen und parallel zum Film mitsurfen. An ausgewählten Stellen im Film können die Zuschauer die Leinwand abfotografieren, um Minispiele, Rätsel, Liedtexte und Extras auf ihren iPads zu aktivieren. Über die App, die vorher zum Download angeboten wird, soll das Publikum im Kinosaal zudem untereinander in Konkurrenz treten. Wer findet Tritons Schatz am schnellsten? Wer knackt die meisten Muscheln? Spielchen in diesem Kaliber...

Disney selbst wirbt für die Mitmach-Version mit dem Spruch "Ins Kino gehen hat noch nie so viel Spaß gemacht". Zur großen Leinwand kommt das Glimmern hunderter Tablet-Bildschirme.

Die Idee des "Second Screen" ist an sich nicht neu. Im Fernsehen gibt es bereits verschiedene Formate, die den Zuschauer daheim animieren, parallel zur Sendung im Netz mitzumachen - "SocialTV" genannt. So bieten Reality-Formate wie "Germany's Next Topmodel" oder das Dschungel-Camp interaktive Chats und Social-Media-Einbindungen, die ein unmittelbares Lästern über die Irrungen und Wirrungen der Kandidaten erlauben. Politische Talkshows laden zum Mit-Twittern ein und selbst Angela Merkel spricht im Wahlkampf direkt von ihren Plakaten zu Smartphone-Besitzern. Dabei gehen Studien davon aus, dass der "Second Screen" bei aller Euphorie mehr Hype denn Hochgenuss ist.

Für das Kino ist der "Second Screen" jedoch noch ein Novum: Bisher hatte es ausgereicht, darauf zu vertrauen, dass ein Film spannend genug sein kann, den Zuschauer komplett in seinen Bann zu ziehen. Nun hat Disney anscheinend das Vertrauen in seine eigene Erzählkraft verloren.

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