Secondhand-Produkte : Tue Gutes, kaufe Gebrauchtes

Eine Studie zur Ökobilanz des Handels bei Ebay zeigt: Secondhand-Produkte können die Umwelt schonen.

Lissy Kaufmann

Berlin - Wer Gebrauchtes bei einem Onlineauktionshaus wie Ebay kauft und dadurch auf neue Produkte im Laden verzichtet, schont oft die Umwelt: Durch den privaten Onlinehandel mit Gebrauchtwaren ließen sich im Vergleich zu einem Neukauf beispielsweise bis zu 69 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) pro Notebook einsparen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) zusammen mit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und dem Borderstep Institut durchgeführt hat.

„In deutschen Haushalten“, schätzt der Geschäftsführer von Ebay Deutschland, Stephan Zoll, „werden nicht mehr benötigte Produkte mit einem durchschnittlichen Wert von 1000 Euro aufbewahrt – hochgerechnet sind das über 40 Milliarden Euro“. Nicht nur der Ebay-Manager sieht darin ein großes Potenzial. Bevor diese Produkte nach Jahren in den Müll wandern, könnte ihre Vermarktung über Onlineplattformen zur Wieder- und Weiterverwendung einen wesentlichen Beitrag zur Umweltentlastung leisten, ist Siegfried Behrendt vom IZT überzeugt. Elektronische Gebrauchtwarenmärkte böten Chancen für einen nachhaltigen Konsum, wenn sich die Einstellungen zum Güterbesitz verändern: Weg vom Anhäufen von Produkten, hin zu einer „Auktionskultur“, die durch vorübergehenden Besitz gekennzeichnet ist. Das Vermarkten gebrauchter Güter im Internet führe dazu, dass Produkte länger genutzt und zusätzliche Umweltbelastungen durch Neukäufe vermieden werden können.

Allerdings ist für den Umweltschutz entscheidend, ob der Kauf eines gebrauchten Produkts den Kauf eines neuen tatsächlich ersetzt. Um dies herauszufinden, haben die Forscher mit Ebay zusammengearbeitet und 6700 Nutzerinnen und Nutzer befragt. Das Ergebnis: Es kommt drauf an, worum es geht. Bei Kinderkleidung hätten 40,4 Prozent der Befragten ohne Ebay die Produkte neu gekauft, bei Notebooks waren es 25,5 Prozent und mehr als ein Viertel auch bei Sofas. Der Rest hätte sich auf anderen Plattformen, in Secondhandläden oder auf dem Flohmarkt umgesehen oder aber ganz auf einen Kauf verzichtet. „All diese durch Ebay wegfallenden Neukäufe entlasten jedoch nicht automatisch die Umwelt“, sagt Behrendt, der das Forschungsprojekt koordiniert hat.

Es hängt wiederum von der Art des Produktes ab, ob eine längere Nutzung wirklich umweltschonend ist. Bei Produkten, die Strom und Wasser verbrauchen, sei das Alter wichtig – neue Geräte sind oft effizienter und daher ökologischer. Das trifft beispielsweise auf Waschmaschinen und Fernseher zu. Aber auch der Transport, die Verpackung, der Stromverbrauch zu Hause während der Auktion und der Server von Ebay spielen eine Rolle. Beim Kauf von Kleidungsstücken ist es daher von Vorteil, gleich mehrere Stücke auf einmal zu bestellen. Vor allem bei größeren Objekten wie Sofas eignet sich die Umkreissuche, um die Transportwege zu verkürzen. Ein Ziel der Studie war es auch herauszufinden, ob sich das Konsumverhalten durch Onlineauktionshäuser für gebrauchte Produkte verändert hat. Die Antwortet lautet Ja, sagt Behrendt. Es gebe eine Tendenz, hochwertigere Produkte zu kaufen: Konsumenten rechnen damit, sie danach wieder verkaufen zu können.

Die Potenziale, sagt Behrendt, müssten aber auch genutzt werden. Mehrere Hemmnisse gelte es zu überwinden: Viele Käufer hätten wenig Erfahrung mit dem Gebrauchtkauf und seien unsicher über die Qualität der angebotenen Produkte. Jens Clausen vom Borderstep Institut hält es daher für wichtig, das Vertrauen in Secondhandprodukte zu stärken.

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