• Seehundstaupe erreicht deutsche Ostsee-KüsteMindestens ein Tier mit dem Staupevirus infiziert

Welt : Seehundstaupe erreicht deutsche Ostsee-KüsteMindestens ein Tier mit dem Staupevirus infiziert

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Stralsund/Dierhagen (dpa). Die Vermutung ist zur Gewissheit geworden: Die tödliche Seehundstaupe hat die deutsche Ostsee-Küste erreicht. Drei Wochen nach dem Fund von zwei toten Tieren bei Zingst in Mecklenburg-Vorpommern liegen jetzt die Untersuchungsergebnisse des Lebensmittel- und Veterinäruntersuchungsamtes Neumünster vor. „Wir können davon ausgehen, dass die Staupe an unserer Küste angekommen ist“, sagt der Meeresbiologe Klaus Harder vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund. Die Befunde beweisen, dass eines der beiden Tiere an dem Staupevirus verendet ist.

In der Nordsee und den angrenzenden Gewässern sind in diesem Jahr nach Angaben von Wissenschaftlern bereits 13 000 Tiere an der Epidemie gestorben. Vom Kattegat zwischen Dänemark und Schweden breitete sich das Virus im Sommer nach Westen in die Nordsee aus. Die kleineren Bestände in der Ostsee waren bisher nicht betroffen. Lange haben die Meeresbiologen gehofft, dass die Staupe die Heuler in der Ostsee nicht erreicht. Nun könnten sogar zwei neue Verdachtsfälle in Mecklenburg-Vorpommern traurige Bestätigung finden: Meeresbiologe Harder hat am Donnerstag in Dierhagen und Wustrow zwei weitere Seehundkadaver begutachtet. Ein totes Tier wurde am Mittwoch angespült. Das andere, ein Jungtier, musste eingeschläfert werden, weil es qualvoll gelitten hatte. „Das Tier hatte Atembeschwerden, Schaum an der Schnauze, litt an einer eitrigen Lungenentzündung“, sagt Harder. Diese Symptome seien typisch für die Staupe. Beide Kadaver wurden noch am Donnerstag in das Landesveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt nach Rostock transportiert.

Das Ausmaß der diesjährigen Epidemie für die Ostsee ist nach Einschätzung der Wissenschaftler derzeit nicht absehbar. „Wir gehen aber davon aus, dass es kein Massensterben geben wird“, beruhigt der Seehundexperte Harder. Dänische Forscher haben bei Lolland und Falster mehrere tote Seehunde gefunden. Ob sie an der Seehundstaupe erkrankt sind, sei bisher noch ungewiss. Die Wissenschaftler hoffen zudem, dass ein zweiter, in der Ostsee beheimateter Seehundbestand von 200 Tieren bei Gotland und Öland nicht mit dem Virus in Kontakt kommen wird.

Gegen die Seuche ist der Mensch machtlos. Eindringlich hat dies die Epidemie in den Jahren 1988/1989 bewiesen, bei der 18 000 Tiere starben.

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