Seeräuber in der Familie : Somalias Präsident fordert Bestrafung der Piraten

Obwohl die Piraten, die Anfang April eine französische Luxusyacht kaperten, offenbar zu seiner Familie gehören, fordert der somalische Präsident Yusuf eine konsequente Bestrafung. Menschenrechtler beklagen unterdessen die katastrophale humanitäre Lage in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land.

Yusuf Foto: AFP
Der somalische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed. -Foto: AFP

Paris/NairobiIn der Affäre um eine von Piraten gekaperte französische Luxusyacht hat der somalische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed eine Bestrafung der Beschuldigten gefordert, die angeblich teils aus seiner Familie stammen. "Sie haben ein Verbrechen begangen und sie müssen dafür bezahlen", sagte Yusuf am Montagabend bei einem Besuch in Paris.

Alle sechs durch französische Soldaten festgenommenen Verdächtigen kämen aus seiner Heimatregion. "Ob sie aus meiner Familie stammen oder aus anderen Familien, ich bin für die Gerechtigkeit. Ich bin nicht der Präsident meiner Familie, sondern aller Somalier." Die Online-Ausgabe des Wochenmagazins "Le Point" hatte zuvor berichtet, vier der sechs Beschuldigten kämen aus Yusufs Familienclan.

Frankreich lehnt Entsendung von Truppen ab

Bewaffnete Piraten hatten die Segelyacht "Le Ponant" Anfang April mit 30 Besatzungsmitgliedern entführt. Die Seeräuber ließen ihre Geiseln eine Woche später gegen ein Lösegeld von rund 1,3 Millionen Euro wieder frei. Französische Soldaten nahmen nach der Freilassung der Besatzung sechs der Geiselnehmer fest, denen jetzt in Frankreich der Prozess gemacht werden soll.

Beim Treffen zwischen Nicolas Sarkozy und seinem somalischen Amtskollegen hatte der französische Präsident am Montagabend eine Verdoppelung der Nahrungsmittelhilfe für Somalia zugesagt. Die Bitte Yusufs um militärische Hilfe für das vom Bürgerkrieg zerrissenen Somalia, lehnte die französische Regierung hingegen ab. Der somalische Präsident hatte argumentiert, sein Land brauche Hilfe sowohl bei der Überwachung der Küste als auch an Land. Er verwies dabei auf Frankreichs große Militärbasis im Nachbarland Dschibuti. Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte jedoch, es komme "im Moment nicht in Frage, dass wir Truppen in das Gebiet schicken". Möglich sei nur eine Lösung auf internationaler Ebene. In dem seit 1991 durch einen Bürgerkrieg zerrissenen Somalia ist seit einem Jahr eine Truppe der Afrikanischen Union (AU) stationiert. Ihre bisher 2500 Soldaten sollen mittelfristig auf 8000 Mann aufgestockt werden.

Amnesty: "Ganze Stadtviertel zerstört"


Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat unterdesseen die zahlreichen Angriffe auf Zivilisten in Somalia scharf kritisiert. "Es gibt keinerlei Sicherheit", betonte Michelle Kagari, stellvertretende Afrika-Direktorin der Organisation, bei der Vorstellung des aktuellen Berichts zur Lage in Somalia. "Die Menschen in Somalia werden getötet, vergewaltigt, gefoltert. Plünderungen sind weit verbreitet und ganze Stadtviertel werden zerstört."

Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung werde von allen Konfliktparteien in dem von Gewalt- und Bürgerkrieg gezeichneten Land am Horn von Afrika ausgeübt: Regierungstruppen, deren äthiopische Verbündete und islamische Milizen. Wer den Kämpfen in der Hauptstadt Mogadischu entkomme, sei noch lange nicht sicher. Auch in den Flüchtlingslagern grassiere Gewalt. "Die Aussagen, die wir bekommen, führen zu dem Schluss, dass Kriegsverbrechen und womöglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden und niemand zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Kagari. Für den Bericht hatte Amnesty International somalische Flüchtlinge befragt und mit Hilfsorganisationen innerhalb und außerhalb Somalias zusammengearbeitet.

6000 tote Zivilisten im vergangenen Jahr

Kagari rief die internationale Gemeinschaft auf, in Somalia stärker für den Schutz der Zivilbevölkerung einzutreten. Das UN-Mandat müsse gestärkt, die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) so zügig wie möglich ausgebaut werden. Auch müsse das UN-Waffenembargo gegen Somalia verstärkt werden.

Seit dem Sturz der Union der islamischen Gerichte Anfang 2007 führen islamische Milizen in Somalia einen Guerillakrieg gegen die Soldaten der Übergangsregierung und deren äthiopische Verbündete. Allein in Mogadischu wurden im vergangenen Jahr mehr als 6000 Zivilisten getötet, Hunderttausende flohen. (jam/AFP/dpa)

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