Welt : Segler-Drama im Südozean

Velux Five Ocean Race: Alex Thomson in Seenot

Kai Müller

Einen Monat nach dem stürmischen Start im spanischen Bilbao muss der britische Einhandsegler Alex Thomson seine schwer beschädigte Renn-Yacht im Südozean aufgeben. In den frühen Morgenstunden war der erst 32-jährige Jungstar der Solosegler-Elite, die sich derzeit auf der ersten Etappe des „Velux Five Oceans Race“ nach Fremantle, Australien, befindet, aus seiner Koje geschleudert worden, als sich seine pechschwarze 18-Meter-Yacht Hugo Boss schlagartig auf die Seite legte und zu kentern drohte. Die Verankerung des Neigekiels war herausgebrochen. Wie ein Pendel schwang nun die 3,5 Tonnen schwere Bleibombe unterhalb des Bootrumpfs in der Dünung hin und her. Der hydraulische Kiel gilt allgemein als Achillesferse der radikal konstruierten Open- 60-Klasse; immer wieder fallen Boote, die vor dem Wind wie Surfbretter über die Wellen fegen und bis zu 30 Knoten erreichen können, einer versagenden Kielaufhängung zum Opfer.

Alex Thomson befand sich Tausend Meilen südlich des Kaps der Guten Hoffnung, als ihn das Unglück ereilte. „Ich kann es nicht fassen“, schrieb der oft waghalsige Extremsegler in einer ersten Mail an www.Velux5oceans.com, „ich habe bereits so viel gelernt über die richtige Balance, wie weit ich das Boot treiben kann und wann ich besser kürzer treten sollte.“ Alle Versuche, das schlingernde Schiff zu stabilisieren, scheiterten. So entschloss sich Thomson, der trotz seiner Jugend zu den Favoriten des Weltumsegelung-Rennens (vormals: „Around Alone“) zählte und sich in den letzten Tagen vom vierten auf den zweiten Rang vorgearbeitet hatte, sein Gefährt, die Hugo Boss, zu verlassen. Da er jedoch weit außerhalb der gängigen Schiffsrouten treibt und auch für Rettungshubschrauber unerreichbar ist, eilt ihm in der Nacht sein härtester Konkurrent Mike Golding zu Hilfe. Der englische Feuerwehrmann segelte achtzig Meilen nordwestlich des Havaristen, als er den Bug seiner Ecover in den stürmischen Wind drehte, um seinen Landsmann abzubergen. Auch der japanische Segler Koji Shiraishi will Thomson beistehen.

Schon am ersten Renntag war die Flotte der sieben Einhandsegler von einem Herbststurm beinahe zerschmettert worden. Thomson hatte wegen technischer Probleme in einem spanischen Schutzhafen Zuflucht gesucht. Damals hatte er gesagt: „Ich will das Rennen beenden, ohne dass etwas kaputt geht.“

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